08 Cochrane, Puerto Tranquilo, Coyhaique, Puyuhuapi, La Junta, Chaiten
21. Februar - 6. März 2018, KM 1'098

Die Marmorhöhlen von Puerto Tranquilo sind weltweit einzigartig. Quer durch den General Carrera See läuft ein riesiger Marmorrücken, der bei Puerto Tranquilo durch das Klima und die Wellenbewegungen über Jahrtausende hinweg zu Höhlen mit einem ganz speziellen Muster gemeisselt wurde. Doch bei strömendem Regen und heftigen Winden warten wir auf besseres Wetter und verbringen den Tag mit Nichtstun. Der nächste Tag zeigt sich dann von seiner schönsten Seite und schon früh sind wir mit dem Boot unterwegs zu den Höhlen. Einmalig!




Weiter geht es nach Cerro Castillo, wo wir wieder einmal eine Wanderung geplant haben. Doch als wir am Parkeingang die Preise sehen, verzichten wir darauf, ca. 15.- Franken pro Person, nur zum Wandern, nein, das sind wir nicht bereit zu bezahlen. Also zieht es uns weiter Richtung Norden.
Und plötzlich rollt unser Bischu wie auf Samtpfoten über die geteerte Strasse, und wir können wieder einmal in normaler Lautstärke miteinander kommunizieren. Welche Wohltat nach den letzten lauten Tagen und dem ewigen Gerumpel in der "Kiste". In Coyhaique machen wir einen kurzen Zwischenstopp, wir finden keine saubere Unterwäsche mehr in unserem Schränkli. Nach 4 Stunden sind wir wieder "sauber" unterwegs 😉. Doch schon bald rumpelts wieder, und wie! Doch die einmalige Landschaft, die Schluchten und Seen, Schneeberge, Gletscher und kalten Regenwälder gleichen alles wieder aus, und irgendwann gewöhnen wir uns daran. Links und rechts der Strasse werden wir von riesigen Farnen und Nalca-Stauden, deren Blätter einen Durchmesser bis zu 2 Metern haben, auch Riesenrhabarber genannt, begleitet. Und natürlich von vielem Staub. Auf unserem Übernachtungsplatz am Canal Puyuhuapi, wo wir übrigens wieder Delfine beobachten, holt uns das orange Büssli wieder ein. Bis in die frühen Morgenstunden sitzen wir gemütlich mit Corinne und Denis zusammen.




In La Junta treffen wir zufällig auf Sippie und Klaas, das holländische Paar, das mit uns auf der Grande Brasile war. Freude herrscht 😊! Wir verbringen den Rest des Tages zusammen und tauschen unsere Reiseerlebnisse aus. An einem Bach, inmitten von grossen Bambusstauden, Papyrusgras, Kuhfladen und hauptsächlich Mücken, übernachten wir.
Villa Santa Lucia wurde im letzten Dezember von einer riesigen Schlammlawine überrollt, das halbe Dorf wurde darunter begraben. Es gab auch einige Tote. Deshalb ist die Strasse nach Chaiten gesperrt. Ab Balmaceda werden Gratisfähren angeboten oder man fährt einen grossen Umweg über Argentinien. Eigentlich wollen wir von Chaiten aus auf die Insel Chiloé. Also entscheiden wir uns erst einmal für die Fähre. Leider weiss niemand so richtig Bescheid, ob man reservieren muss und um welche Zeiten die Fähren fahren, immerhin dauert die Fahrt 7 Stunden. Jedes Büro erzählt uns etwas anderes. In einem Lebensmittel-Geschäft vor Ort bekommen wir dann endlich, und hoffentlich, die richtigen Informationen. Jedenfalls stehen wir morgens um 07.00 Uhr am Hafen, die Fähre ist da, und eine Stunde später legen wir ab. Nachmittags um 15.00 sind wir dann in Chaiten. Als erstes besuchen wir das Büro von Naviera Austral Ferry, um die Fähre nach Chiloé zu buchen. Das Angebot lautet: entweder gleich morgen oder in einer Woche. Nach kurzer Diskussion beschliessen wir eine Woche in der Region um Chaiten zu verbringen.




Vor allem im Parque Pumalin, dem weltweit grössten Naturschutzgebiet in Privatbesitz, soll es einige schöne Wanderungen geben. Hier befindet sich auch der Vulkan Chaitén, den wir besteigen wollen. Vor 10 Jahren brach der Vulkan, von dem niemand gewusst hatte, nach 10'000 Jahren Dornröschenschlaf wieder aus. Die Asche wurde 20 Kilometer in die Luft geschleudert, zerstörte Wälder und einen grossen Teil von Chaiten. Die Aschewolke reichte bis Buenos Aires.
Wir erreichen nach 2.2 Kilometer, 600 Höhenmetern, ca. 1'100 Holztreppenstufen von ungefähr 10cm – 60cm Höhe, und knappen 2 Stunden, schweissgebadet und ausser Atem den Kraterrand. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt. Trotz Wolken ist die Sicht einmalig. Über uns zieht ein Andenkondor lautlos seine Kreise. Rings um den Krater abgestorbene Zeitzeugen von diesem gewaltigen Ausbruch. Heutzutage raucht der Vulkan still vor sich hin.
Die Patagonische Zypresse oder Alerce, wie sie hier heisst, ist ein immergrüner Nadelbaum, vom Aussterben bedroht und streng geschützt. Er wird über 3000 Jahre alt und bis zu 60 Meter hoch. Von den drei existierenden Alercenwälder befindet sich einer hier im Park, die beiden anderen in Argentinien. Natürlich ist es ein Muss, diesen vorgegebenen Waldrundgang von ca. 40 Minuten zu absolvieren. Und auch wir sind beindruckt von diesen "Riesen".

Die restlichen Tage verbringen wir mit kleineren und grösseren Wanderungen, hauptsächlich in diesen speziellen kalten Regenwäldern, wo uns immer wieder die Vielfalt der Pflanzen auffällt.