01 Überfahrt Hamburg-Montevideo

2. Oktober - 3. November 2017

Endlich geht’s los!
Am Mittwoch 27. September 2017 um 15.45 Uhr bei schönstem Wetter verlassen wir unser Zuhause, und einige Minuten später rollt unsere kleine Wohnung auf 4 Rädern um die erste Kurve Richtung Hamburg. So lange warten wir schon auf diesen grossen Moment. Und jetzt….? Die Gedanken spielen verrückt, gleichen einem Herbststurm. Tun wir das Richtige? Wollen wir das wirklich? Ja, nein, ja, nein, jaaa doch! Verstohlen wischen wir ein par Tränchen weg. Schauen einander an, schweigen. Kilometer um Kilometer entfernen wir uns von unserem trauten Heim. Nahe der Schweizergrenze trinken wir noch einen feinen Expresso und verabschieden uns von der Heimat. Doch wir wissen genau: Wir kommen wieder!
Aber jetzt ist es Zeit für ein neues, grosses Abenteuer. Wir freuen uns. Die Stimmung bessert sich allmählich und wir geniessen das tolle Herbstwetter in all seinen Farben.

Überfahrt Hamburg-Montevideo 
Am Montagmorgen, 2. Oktober 2017 um 9.30 Uhr stehen wir am Schalter von O’SWALDKAI. Der Papierkram ist schnell erledigt. Kurze Zeit später fahren wir im Konvoi mit den anderen Wohnmobilsten in den offenen, grossen Schiffsbauch. Wir parkieren unsere Fahrzeuge auf Deck 6.
Kaum zehn Minuten später stehen wir schon in unserer Eigner-Suite auf Deck 12. Den Nachmittag verbringen wir mit Kennenlernen der anderen Mitreisenden. Es sind mit uns an Bord: 2 deutsche Paare, 1 holländisches Paar, 1 Schweizerin und Gilles, der Franzose mit dem Motorrad.
Bis spät in den Abend wird die Grande Brasile noch beladen. Um 23.00 Uhr heisst es endlich: Leinen los! Natürlich stehen wir alle an Deck, bestaunen Hamburg bei Nacht und lassen uns den doch kühlen Wind um die Ohren pfeiffen.


Jetzt sind wir schon 4 Tage an Bord und haben uns gut eingelebt. Wir haben unseren Rhythmus gefunden. Die Essenszeiten sind vorgegeben: Frühstück 07:30 bis 08:00 Uhr, Mittagessen 12:00-12:30 Uhr und Abendessen 18:00-18:30 Uhr. Die Stimmung an Bord ist gut. Auch mit dem Kapitän und seiner Mannschaft besteht ein freundschaftliches Verhältnis.
Das Wetter wird immer besser und wärmer, wir geniessen es.
Täglich nach dem Frühstück schwitzen wir im Fitnessraum. Anschliessend büffeln wir spanisch. Den Nachmittag verbringen wir meistens an Deck mit Lesen oder Nichtstun.

In den nächsten Tagen üben wir den Ernstfall. Feueralarm! Mit Schwimmwesten ausgerüstet klettern wir ins Live-Boat. Wir haben ein Riesengaudi, doch den Ernstfall möchten wir nicht erleben.
Wir beobachten jetzt jeden Tag Delfine und massenweise fliegende Fische. Auch schwimmt eines Morgens eine Meeresschildkröte an unserem Riesen vorbei.
Es wird von Tag zu Tag wärmer und feuchter, wir kommen dem Äquator näher. Es wird Zeit den Swimmingpool zu testen. Was sich als sehr angenehm herausstellt.
Dann eines morgens beobachten wir seltsame Dinge an Deck: 2 Filipinos rollen grosse Stacheldrahtrollen aus und hängen sie beidseitig der Laderampe hinunter. Sie reichen beinahe bis zur Meeresoberfläche. Was soll das denn? Wir erfahren, dass es in den westafrikanischen Gewässern Piraten gibt. So schützen sie das Schiff, sich selber und natürlich die Passagiere. Wir staunen.
In der Nacht zum Donnerstag erreichen wir Dakar. Nach dem Frühstück verlassen einige von uns das Schiff. Wir besuchen eine afrikanische Markthalle. Hier bestaunen wir das immense Angebot an frischen Fischen, Muscheln, Krebsen, usw. Auch die Farbenpracht des Gemüses und Obstes ist vielfältig. Doch am besten gefallen uns die einheimischen Frauen in ihren bunten Gewändern. Dennoch ist es uns einfach zu heiss, zu feucht, zu stickig und zu dreckig in dieser Stadt. Wir bevorzugen unser klimatisiertes Zimmer, kehren also bald zum Schiff zurück. Oder wir stehen lieber an Deck um dem emsigen Treiben der Afrikaner, die das Schiff neu beladen, zuzusehen. In der Abenddämmerung verlassen wir Dakar.


Die Grande Brasile pflügt sich jetzt während 7 Tagen quer über den Atlantik. Wir sehen nichts ausser Wasser, Wasser und noch mal Wasser.
Am Sonntag, 15. Oktober, um 14.10 Uhr überqueren wir den Äquator. Im Laufe des Nachmittags steht dann die obligate Äquatortaufe an. Für alle Crewmitglieder, die das erste Mal auf diesem Schiff den Äquator überqueren und natürlich für uns Passagiere. Während wir durch aufgestellte Rettungsringe krabbeln, werden wir mit zwei Feuerwehrschläuchen nassgespritzt. Nass bis auf die Haut bewirft man uns mit Mehl. Anschliessend bekommen wir den Tauftrank. Der krönende Abschluss findet dann im Pool statt. Neptun (der 2. Offizier) bittet uns einzeln zu ihm in den Pool, wir bekommen einen Fischnamen und werden kurz unter Wasser gedrückt. Wir haben einen Riesenspass. Mit dem anschliessenden Barbecue beenden wir diesen tollen Nachmittag.
Das nächste Highlight erleben wir dann 2 Tage später. Der Chefingenieur bietet uns eine Führung durch den Maschinenraum an. Imposant.
Dann endlich, Donnerstagmorgen, Land in Sicht. Brasilien wir kommen. Doch bevor wir den Hafen von Vitoria ansteuern sichten wir zum ersten Mal Wale, viele Wale. Was für ein unvergessliches Bild. Kurz vor Mittag liegt das Schiff fest vertäut am Kai und es beginnt das schon übliche Prozedere mit ent- und beladen.
Mitten in der Nacht verlassen wir Vitoria. Am Morgen trauen wir unseren Augen nicht, es hat Nebel, ist ziemlich frisch und starker Wind bläst uns um die Ohren. Jetzt schaukelt es doch plötzlich ein wenig mehr, doch noch zu wenig um Seekrank zu werden.
In der Abenddämmerung laufen wir in den Hafen von Rio de Janeiro ein. Das ent- und beladen dauert die ganze Nacht. Schon am anderen Morgen gegen 10.00 Uhr verlassen wir Rio, leider ohne Landgang. Dafür immer noch mit Nebel und teilweise auch starkem Regen.

Wir schippern Santos entgegen, immer noch im Nebel. Wo sind wir jetzt genau? Nebel in Brasilien? Na ja. Vor Santos dümpeln wir wieder einige Stunden umher, warten auf den Lotsen. Um 20.00 begrüsst ihn der Kapitän an Bord und weiter geht es, Richtung Hafen. Bei Nacht und Nebel (im wahrsten Sinne des Wortes) und einigen Kilometern in einer schmalen Fahrrinne, erreichen wir 2 Stunden später unseren Anlegeplatz. Wir dürfen an Land. Doch alle, ausser Gilles bevorzugen das Bett. Er, der Kapitän und ein Offizier verlassen das Schiff um das Nachtleben von Santos zu geniessen.
Am frühen Nachmittag des folgenden Tages, und immer noch bei Regen und Nebel, nehmen wir Kurs auf nach Zarate, Buenos Aires. Dauert ca. 3 Tage.

Der brasilianischen Küste entlang ist das Wetter immer noch ziemlich schlecht, macht sich auch auf den Wellengang bemerkbar. Doch es reicht immer noch nicht um Seekrank zu werden 😉. Jedoch öffnen und schliessen sich Schubladen wie von Geisterhand. Eine schlechte Nacht liegt hinter uns. Wir sind jetzt schon 23 Tage an Bord. Und nach den neuesten Nachrichten dauert es auch noch einige Tage.
Wir dümpeln 3 Tage ca. 40 Kilometer vor der Uruguayischen Küste. Das Wetter ist wieder besser und wärmer, die Stimmung gut. Dann endlich am Montagmorgen setzen die leisen Vibrationen wieder ein und es geht weiter, wenigstens für einige Stunden. Wir bestaunen schon mal aus der Ferne die Skyline von Montevideo. Vor der Küste von Buenos Aires ankern wir wieder.
Im frühen Morgengrauen kommt der Lotse an Bord und wir wissen: noch 120 Kilometer trennen uns von Zarate, davon 6o Kilometer im Rio Parana de las Palmas, ein ziemlich schmaler Fluss, mit vielen Windungen. Eindrücklich! Gegen Mittag liegen wir dann endlich fest verankert am Kai von Zarate. Am folgenden Tag begeben wir uns auf einen Landausflug, einfach um mal wieder festen Boden unter den Füssen zu spüren.
Um die Mittagszeit verlassen wir bei strömendem Regen Zarate und nehmen den letzten Abschnitt unserer Schiffsreise in Angriff. Im Laufe des Nachmittags wird das Wetter immer besser, die Sonne blinzelt ab und zu durch die Wolken. Auf der Höhe von Buenos Aires verabschiedet sie sich mit einem wundervollen Untergang. Und wir verabschieden uns am andern Morgen von der Grande Brasile. Danke, es war einfach ein unvergessliches Er-lebnis.
Eine Grimaldi-Agentin hilft uns noch bei den Zoll- und Einreiseformularitäten.
Dauert knapp eine Stunde, dann sind wir weg, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.