22 La Paz, Coroico, Copacabana, Puno, Arequipa
10.  - 29. Januar 2019, KM 996

Eigentlich wollen wir auf der sogenannten Todesstrasse durch die Yungas, halbtropische Regenwälder, hinunter nach Coroico fahren. Doch es wurde uns abgeraten vormittags zu fahren. Bis ca. 14.00 Uhr fahren Hunderte von Fahrradfahrern und Bikern diese Strecke. Es sei zu gefährlich, denn diese Strasse ist sehr eng und nur einspurig zu fahren. Und es herrscht der Sicherheit wegen Linksverkehr. Also fahren wir auf der gut ausgebauten Strasse, auf der anderen Talseite hinunter und besuchen zuerst den Schweizer Kaffeeplantagen Besitzer, Hr. Brugger, der leider zur Zeit nicht anwesend ist. Über zwei Stunden dauert die Plantagenbesichtigung mit einer einheimischen Kaffeespezialistin.  Anschliessend gibt es eine Kaffee-Degustation, und ein feines Mittagessen. Jetzt wird es aber Zeit für die Todesstrasse, wir sind gespannt was uns erwartet. Leider müssen wir schon bei der ersten richtigen Steigung aufgeben. Da es kurz vorher ca. drei Stunden regnete, verwandelte sich die Strasse in eine Schlammpiste und wurde für uns unpassierbar. Schweren Herzens wenden wir. Einige Stunden später sind wir nur noch froh, dass es so gekommen ist. Denn es regnet stundenlang wie aus Kübeln, wir hätten diese Strasse so nie geschafft. Wieder einmal übernachten wir an einer Tankstelle, einige Kilometer vor La Paz, denn mittlerweile ist es dunkel und kalt. 
Vor der Weiterfahrt wollen wir noch Diesel auffüllen, doch diese Tankstelle verweigert uns den Diesel. Warum? Weil wir Ausländer sind, ganz einfach, oder😯?
Das heutige Ziel ist erst einmal der Cerro Chacaltaya, der bis auf 5200m über Meer befahrbar ist. Der Chacaltaya galt viele Jahre als das höchst gelegene Skigebiet der Welt. Dazu müssen wir zuerst durch La Paz fahren, das entpuppt sich als die wahre Hölle. Wir fahren nach Navi, doch unser Navi kennt die Stadt nicht. Wir stehen plötzlich vor einer Hausmauer, die Strasse endet hier. Laut Navi müssen wir hier aber rechts abbiegen. In diesen steilen, engen Gassen ist an wenden nicht zu denken, wir können froh sein, dass wir nicht rückwärts abrutschen. Zum Glück bleibt mein Chauffeur immer schön cool. Er legt den Rückwärtsgang ein, und los geht’s, schön langsam rückwärts. Das Gehupe an jeder Querstrasse wird grosszügig ignoriert. Nach über einer Stunde sind wir endlich aus diesem Gewusel raus. Doch die Verschnaufpause dauert nur kurze Zeit, denn die sogenannte ”gute” Strasse zum Cerro Chacaltaya ist auch in einem ziemlich schlechten Zustand. Nach ca. 15 Kilometern geben wir auch hier auf, es ist uns einfach zu gefährlich. Mir zittern die Knie, ich halte mich fest, die Strasse nass, rutschig, voller Löcher und Steine, der Abgrund nahe und tief, nichts für schwache Nerven. In einer steilen Kurve kann Peter wenden. Und nach einer weiteren Stunde haben wir endlich wieder festen Boden unter den Rädern und fahren entspannt nach Copacabana, am Titicacasee.




Es ist Wochenende und in Copacabana ist die Hölle los. Viele Einheimische und massenhaft Touristen tummeln sich in dem kleinen Städtchen, baden im 10 Grad kalten See, als wären sie in der Karibik, jagen mit den Wassertöffs übers Wasser und lassen sich auf den aufgeblasenen Bananen sitzend hinter dem Boot her schleifen. Bei einem frisch gepressten Mangosaft schauen wir staunend dem bunten Treiben zu.
Den Temperaturen entsprechend essen wir dann endlich unser Fondue aus Sucre.
Puno liegt in Peru, also ist wieder einmal ein Zollübergang nötig. Alles verläuft schnell und problemlos. Von Puno aus machen wir einen Tagesausflug zu den schwimmenden Inseln der Uros, und der Insel Taquile. Die Uros bauten vor Jahrhunderten einzigartige, schwimmende Inseln aus Schilf, um feindlichen Völkern auf dem Festland zu entfliehen. Die grösste Insel ist ca. 160 Jahre alt und besitzt einen Gemeindesaal und eine Schule. Die Insulaner leben vom Fischfang, aber hauptsächlich vom Tourismus. Auf der weit grösseren Insel Taquile gibt es weder Strassen, noch Autos, noch Fahrräder, keine Esel und keine Lamas. Auf dem sechs Kilometer langen und einem Kilometer breiten Felsen wohnen rund 1600 Aymaras, die alles auf dem Rücken rumschleppen. Sie leben vom Ackerbau, von Mais, Quinoa, Gerste, Kartoffeln und Saubohnen, dass sie alles auf ausgedehnten Terrassenanlagen anbauen. Auf dieser Insel bekommt man noch strickende Männer zu sehen, die ihre Zipfelkappen selber stricken, verheiratete Männer tragen rote Mützen, unverheiratete rot-weisse. Die Frauen weben bunte Hüfttücher und dunkle Schals, die hervorragend zu ihren pinkfarbenen oder roten Röcken passen. Und natürlich auch hier: Tourismus pur. Es reiht sich Souvenirshop an Souvenirshop. Wieviel ist wohl Made in China?





Seit Copacabana macht unser Bischu wieder einmal Probleme. Also buchen wir schon von Puno aus ein Hotel in Arequipa mit eigenem Parkplatz.
Kurz nach Puno besuchen wir die Grabtürme, Chullpas, von Sillustani, die bis zu 12 Meter hoch sind. Vor den Inkas herrschten hier die Colla. Sie begruben ihre Stammesführer oder wichtige Würdenträger, samt Familie, Dienern, Nahrung und Besitztümern in den geräumigen Steintürmen. Die gefundenen Mumien hockten in einer gebeugten Haltung, die Körper waren mit Pflanzenfasern eingeschnürt.
Die gute Strasse führt uns an der Laguna Lagunillas vorbei und steigt dann weiter auf eine karge Hochebene an, auf über 4400 Meter. Im Hintergrund das schneebedeckte Chachani Massiv und später der Vulkan Misti. Wieder einmal sind wir überwältigt von der Schönheit der Natur. Während dieser Fahrt hören wir zum ersten Mal auf unserer Reise richtige Schweizermusik, also Jodellieder und Örgelimusik. Beide bekommen wir wässerige Augen und wischen heimlich ein par Tränchen weg. Was soll das? Wir spüren: wir sind eben durch und durch Schweizer und lieben und vermissen unser Heimatland doch ab und zu😥.
Jetzt geht es noch 2000 Meter kurvenreich bergab nach Arequipa, der zweitgrössten Stadt Perus, welche immer noch auf 2300m ü Meer liegt. Wir quartieren uns erstmal im Hotel ein, das sich als kleines Bijou entpuppt.


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