32 Sigsig, Vilcabamba, Karajia, Kuélap, Celendin, Cajamarca, Caraz
12. – 27. Juli 2019, KM 1’852

Auf dem Weg Richtung Süden, kommen wir in Gualaceo vorbei. Hier besichtigen wir eine Orchideenfarm und nehmen an einer Führung teil. Das relativ kleine Ecuador hat weltweit die meisten Orchideenarten, über 4200 verschiedene Exemplare, davon 1300 die nur hier vorkommen. Auch die kleinste Orchidee, deren Blüte ganze 2,1 Millimeter gross ist wächst in Ecuador.
In Sigsig, unserem Übernachtungsplatz, gibt es schon wieder eine Panamahut-Fabrik. Doch hier besichtigen wir nur den grössten Strohhut der Welt. Im Innenhof ist er ausgestellt und hat einen Durchmesser von 9 Metern.
Jetzt wollen wir nach Vilcabamba, in das Tal der Hundertjährigen. Das Städtchen liegt auf 1500 Meter über Meer und erfreut sich das ganze Jahr über ein mildes Klima. Am Hauptplatz trinken wir Kaffee und beobachten, oder besser suchen die "Alten". Entweder sind sie alle noch am Schlafen oder am Seniorenkränzchen🤔? Nirgends auf der Welt gibt es so viel Alte oder sogar Steinalte wie hier um Vilcabamba. Reiche Amerikaner bauen sich ihre Villen an den Hängen um Vilcabamba, alle wollen Hunderte oder mehr werden. Das Geheimnis um Vilcabamba wollten schon viele ergründen. Aber keiner fand eine Antwort. Die Alten selber sagen: Gott hat Spass an uns, darum lässt er uns so lange leben. Nebst den vielen Touristen sehen wir auch viele Aussteiger und Hippies. Es ist mittlerweile zu einem kunterbunten Städtchen geworden.
Die Fahrt zur peruanischen Grenze dauert einiges länger als geplant. Warum wohl?  Richtig, es regnet wieder einmal wie aus Kübeln. Eine Schlammlawine fliesst langsam über die Strasse, da ist im Moment kein Durchkommen. Wir warten. Nach einer Stunde bessert sich die Lage und die Einheimischen versuchen es mit ihren Hilux 4x4 und kommen durch. Jetzt ist vorgespurt und auch wir schaffen es. Einige Kilometer später dasselbe noch einmal. Und das alles auf der guten doppelspurigen Teerstrasse. Wir haben aber noch 70 Kilometer Schotterpiste vor uns😓. In einem kleinen Dorf übernachten wir. Wir schlafen unruhig. Es regnet so ziemlich die ganze Nacht. Schon um 08.00 Uhr starten wir den Motor und mit einem mulmigen Gefühl fahren wir los. Glücklicherweise hört der Regen bald auf, trotzdem ist es nicht so einfach auf dieser, zum Teil einspurigen Strasse mit vielen Löchern, Wasserlöcher und Bächen zurecht zu kommen. Einige Stunden später stehen wir am Ecuadorianischen Zoll. Alles schnell und freundlich, Schlagbaum hoch und wir fahren auf die Brücke, geteerte Strasse, Peru. Leider ist hier gerade Stromausfall😏. Wir warten. Die Zöllner begutachten unterdessen unser Bischu, wir unterhalten uns mit ihnen, alles easy und tranquillo. Wir bekommen wieder  90 Tage, haben also genug Zeit für die Berge.




In Cruz Pata besuchen wir die Felsgräber von Karajia. Die bis zu zwei Meter hohen Sarkophage in Form grosser, menschenähnlicher Gestalten befinden sich in einer unzugänglichen  Felswand. Die Figuren sind bemalt und mit menschlichen Gesichtern versehen. In einem Hohlraum im Fuss der Statue hockt die Mumie. Sie dienten als letzte Ruhestätte der Elite der Chachapoya-Kultur. Zu sehen bekommt man sie aber erst nach einem ca. 30 minütigen Fussmarsch in die Tiefe, auf einem, sagen wir einmal einigermassen guten Wanderpfad😉.
Unser nächstes Ziel ist die Festung Kuélap. Allein schon die supermoderne Gondelbahn ist ein Erlebnis. Führt sie doch zuerst ins Tal hinunter um dann auf 3000 Meter hoch zu schweben. Die Festung der Chachapoya gehört neben Machu Picchu zu den spektakulärsten Ruinenanlagen Perus. Keramikfunde aus Kuélap deuten darauf hin, dass die Stätte seit 500 n. Ch. besiedelt war. Die Festung bestand aus 400 Rundhäusern und war von ca. 3500 Menschen bewohnt. Mittlerweile steht sie inmitten grosser Bäume, die dicht bewachsen sind mit Bromelien und Orchideen.

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Hätten wir doch nur einen Kurvenzähler, der würde garantiert nach einer Stunde aufgeben. Wir sind aber ganze sechs Stunden unterwegs. Von 800 Meter führt uns die einspurige Strasse auf über 3600 Meter und natürlich auch wieder hinunter um dann sofort wieder anzusteigen, diesmal auf 3100 Meter. Auf den 140 Kilometern kommen uns gerade einmal  9 Fahrzeuge entgegen, einer muss immer retour fahren bis zur Ausweichstelle. Also ehrlich, ich habe schon ein wenig den "Schiss ide Hose", denn der Abgrund ist tief und Leitplanken gibt es keine🙈. Doch zum Glück meint es das Wetter gut mit uns und wir werden mit einer Traumweitsicht belohnt. Unbeschadet am Ziel, beruhigen wir unsere angespannten Nerven bei einem Glas Weisswein.
Von Weitem erinnern die Grabnischen von Otuzco an kleine Fenster, daher der spanische Name Ventanillas de Otuzco. Die Nischen sind etwa 3500 Jahre alt und einer der ältesten Friedhöfe Perus. Auch hier wurden wohl die Herrscher der damals hier lebenden Cajamarca begraben. Später nutzten sie die Inkas als Getreidespeicher. Otuzco liegt am Weg, also besuchen wir auch noch diese Gräber.

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Immer noch trennen uns ca. 500 Kilometer bis zur Cordillera Blanca, genau bis nach Caraz, unserem Ziel. Auf unserer ausgewählten Route benötigen wir ganze drei Tage dafür. Am dritten Tag fahren wir über 60 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 17 km/h😕. Von der tollen Aussicht sieht Peter nichts, er muss sich intensiv auf die Strasse konzentrieren. Auch hier wieder, wie überhaupt die letzten Tage, rauf und runter, hunderte von Kurven und immer schön den Abgrund im Auge behalten. Diese Fahrten sind definitiv nichts für Menschen mit schwachen Nerven und die, die unter Höhenangst leiden. Doch vom Panorama her einmalig. Auf dem schönen, sauberen Campingplatz  Guadeloupe in Caraz legen wir erst einmal einige Ruhetage ein. Vor allem gönnen wir unserem Bischu einen Erholungstag mehr. Zur Laguna de Parón lassen wir uns wieder einmal chauffieren. Nach ca. zwei Stunden kommen wir oben an. Wir steigen "nur" bis zum Aussichtspunkt hoch, unsere Pumpen müssen arbeiten. Doch für die Aussicht lohnt sich das auf jeden Fall. Die Cordillera Blanca ist die grösste Gebirgskette auf dem südamerikanischen Kontinent. Hier befinden sich die meisten Sechstausender nach dem Himalaya und ist ein wahres Paradies für Wanderer, Kletterer und Abenteuerlustige.

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