30 Mompós, Barichara, Villa de Leyva, Zipaquirá, Bogotá, San Agustin
13. - 27. Juni 2019, KM 1'382

Das einzige was wir wissen ist: es sind ca. 170 Kilometer bis zum Fährhafen in Magangué. Dort müssen wir auf eine Fähre um nach Mompós zu gelangen. Und, wir haben keine Ahnung wie die Abfahrtszeiten der Fähren sind. Da auch an dieser Strasse gearbeitet wird, verzögert sich unsere Fahrt ziemlich. Es ist beinahe schon dunkel als wir am Fähranleger ankommen und natürlich geht heute nichts mehr. Morgen um 06.30 Uhr legt die erste Fähre ab, die wollen wir nehmen. Gegen ein kleines Trinkgeld dürfen wir hier übernachten. Doch an Schlaf ist nicht wirklich zu denken, die ganze Nacht ist hier Betrieb und wir sind schon bald eingekesselt von Lastwagen. Um 05.00 Uhr geht’s dann richtig los. Die Fähre legt an, ringsum werden schon mal die Motoren gestartet, Männer schreien herum, wir schauen dem emsigen Treiben einfach mal zu und machen schon einige Fotos. Die Fahrzeuge stehen hier kreuz und quer und wir fragen uns, wer da wohl den Überblick hat🤔.  Doch es gibt den Oberaufseher und der hat alles im Griff, wir staunen wieder einmal mehr, das ist das organisierte Chaos. Jedenfalls sind auch wir um 06.00 Uhr auf dem Schiff. Um 07.00 Uhr legen wir dann ab, beinahe pünktlich. 1 ½ Stunden später fahren wir auf der anderen Seite von der Fähre. Jetzt sind es noch ca. 40 Kilometer bis Mompós.
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Santa Cruz de Mompós (sein offizieller Name) liegt auf einer Insel, die von einem Arm des Magdalena-Flusses umgeben ist. Die Stadt wurde 1540 gegründet und war aufgrund ihrer strategischen Lage ein wichtiges Handelszentrum während der spanischen Herrschaft. Die Magdalena ist Kolumbiens längster Fluss und war in der Kolonialzeit der Haupttransportweg von der karibischen Küste ins Landeszentrum. Mompós war auch ein sicherer Ort für die Spanier, um Gold und andere Schätze vor der Belagerung durch Piraten zu schützen, und ein Zufluchtsort für die Familien, die vor den Piratenangriffen in Cartagena flüchteten. Es gibt hier fünf prächtige Kolonialkirchen und der Friedhof soll einer der schönsten Kolumbiens sein. Wir bleiben zwei Tage und flüchten dann auch hier wegen der unglaublichen tropischen Hitze und den vielen Mücken.
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Nächstes Ziel ist Barichara. Laut Reiseführer schon wieder eines der schönsten Kolonialdörfer Kolumbiens. Trotzdem fahren wir hin. Die Ameisen mit den dicken Hintern (hormigas culonas) zu essen, ist im Departement Santander Tradition. Diese Insekten kommen jedes Jahr etwa im April aus der Erde und die Bauern fangen sie ein, um sie dann zu rösten. Ihr starker, salziger Geschmack ist so wichtig für die Gastronomie von Barichara, dass in der Gemeinde zwei Denkmäler für die Ameisen errichtet wurden. Das Gericht gilt als aphrodisierend 🤔. Wir schlendern durch die Gassen und bleiben bei den frischen Fruchtsäften, da wissen wir, dass die uns schmecken. Hier bleiben wir vier Tage, einfach weil der Platz so schön und ruhig ist. Und wir geniessen zwischendurch das Nichtstun und einfach mal SEIN😎.
Auf dem Weg Richtung Bogotá machen wir in Villa de Leyva einen ersten Zwischenstopp. Der Hauptplatz, Plaza Mayor, zählt mit 14’000 Quadratmetern zu den grössten, öffentlichen Plätzen Südamerikas und ist umgeben von Restaurants, Cafés, Museen, Kunsthandwerksläden und der obligaten Kirche. Wir bummeln durch die kopfsteingepflasterten Gassen und bewundern die weissgekalkten Häuser im andalusischen Stil, in deren gepflegten Hinterhöfen Oleander und Bougainvilleas in allen Farben blühen. Natürlich besuchen wir die Casa Terracota, ein Märchenhaus😯. Das 500 Quadratmeter grosse Haus aus Ton wird als grösstes Keramikwerk der Welt betrachtet und fasziniert uns sehr.
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Die Hauptattraktivität Nemocóns ist heute die in den 1990 Jahren wegen Einsturzgefahr geschlossene Salzmine. Für die Besucher führt ein 2,5 Kilometer langer Weg durch die 80 Meter unter der Erde liegenden Salzstollen. Spannend, zum Teil schon kitschig sind die Farbspiele und vor allem die Wasserspiegelungen.
(Der nachfolgende Text ist zum Teil aus dem Internet und dem Reiseführer. Ich könnte es nicht besser beschreiben.) Das absolute Highlight erwartet uns in Zipaquirá, die Salzkathedrale. Sie ist eines der größten Wunder Kolumbiens und einem Wunder ist es der Legende nach auch zu verdanken, dass Besucher mit der Salzkathedrale von Zipaquirá einen Ort von ausserirdischer Schönheit und Mystik betreten können: So lag laut Erzählungen der Sohn eines Bergmannes im Sterben, der daraufhin Gott bat, sein Kind zu verschonen.  Zum Dank würde er ihm zu Ehren einen Tempel in den Salzstein hauen, wie es auf der Welt keinen zweiten gäbe. Der Sohn überlebte, und so kann heute jeder das Relikt der Dankbarkeit besuchen. Ein Ausflug, wie eine spirituelle Kurzreise in eine andere Welt.
Die ehemalige Mine mutet an wie ein Tor zu einer anderen Dimension, bis zu 200 Meter unter der Erde ziehen sich enge, verwinkelte Stollen durch den Berg. Wo einst Salz abgebaut wurde, drängen sich heute neugierige Touristen. Trotz der Hektik herrscht aber innerhalb der steinernen Hallen eine andächtige Ruhe, denn jeder Besucher bestaunt einfach ob der unfassbaren Pracht ehrfürchtig und stumm dieses Zeugnis menschlicher Willenskraft. Auf insgesamt 14 Stationen kann man den Kreuzweg Jesu abschreiten, bevor man dann zu der gewaltigen Salz-Kathedrale gelangt, die Sonntags bis zu 3000 Menschen zur Heiligen Messe empfängt. Die Mehrheit der Kolumbianer ist katholisch und streng gläubig.
Der Weg und auch die verschiedenen Stationen sind in ein geradezu geisterhaftes Licht getaucht, das auch noch ständig seine Farbe wechselt. Riesige Kreuze aus Stein und mystische Engelsfiguren wachen über die verschiedenen Gänge und Höhlen als bildliche Nachempfindungen von Bibelgeschichten, der Geruch von Salz liegt auch heute noch in der Luft, obwohl es hier schon lange nicht mehr abgebaut wird. Die Atmosphäre unter Tage ist nur sehr schwierig in Worte zu fassen, bedrückend und befreiend zugleich, die Gänge, Höhlen und Bilder sind so gewaltig, dass man sich nur schwierig vorstellen kann, dass sie tatsächlich von Menschenhand erschaffen wurden.

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In Bogota lässt unser Bischu wieder einmal eine Verjüngungskur über sich ergehen, sprich einen Vollservice. Diesmal bekommt es endlich vier neue Schuhe, sind die Alten doch ziemlich abgelatscht. Von Kopf bis Fuss gewaschen erstrahlt unser Auto in neuem Glanz. Der nette Mechaniker bemerkt, dass uns der Kolumbien-Kleber an der Hecktüre noch fehlt, den wir schon seit Wochen suchen und nirgends finden. Woher er ihn hat wissen wir nicht, jedenfalls ist unsere Sammlung jetzt vollständig😍.
Hier finden wir auch einen bewachten Parkplatz mitten im Zentrum. Von hier aus erreichen wir das Goldmuseum und die Fussgängerzone zu Fuss. Dem Museum gehört mit ca. 35'000 Objekten die grösste existierende Sammlung präkolumbischer Gold-, Platin-, Silber- und Tumbagogegenständen. Man bekommt einen Eindruck von der hohen Entwicklung des Handwerks, vom Denken und Fühlen, Glauben und Mythologie, Alltag, Riten und Sozialstrukturen der Indigenen Bevölkerung. Den Rest des Tages spazieren wir durch die Strassen und Gassen, besichtigen den Plaza de Bolivar, schauen dem geschäftigen Treiben der Strassenhändler und den Strassenkünstlern zu. Leider ist das Wetter nicht gerade freundlich, es regnet immer wieder und es bläst ein frischer Wind.

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Die Tatacoa-Wüste ist unser nächstes Ziel. Zwei gleiche Navis, zwei verschiedene Routen. Prompt wählen wir die Falsche. Die Strasse endet am Rio Magdalena, doch wo ist die Brücke oder eine Fähre? Am Ufer, das heisst mehr auf dem Land steht so ein verrostetes und mit Pflanzen überwachsenes Ding, das war wohl einmal eine Fähre🤔. Bleibt uns nichts anderes übrig als zu wenden. Wieder an der Hauptstrasse schauen wir uns an: rechts oder links? Wir fragen einen Einheimischen. Der meint rechts sei näher, aber die Strasse ist viel schlechter. Also links. Jetzt beginnt es auch noch zu regnen und heiss ist es auch. Im nächsten grösseren Ort übernachten wir erst Mal. Nach einer ziemlich schlaflosen, heissen und "mückengeschwängerten" Nacht, beschliessen wir die Wüste sausen zu lassen. Weiter geht es zum Archäologischen Parque San Agustin. Der Park enthält die grösste Sammlung religiöser Denkmäler und megalithischer Skulpturen in Lateinamerika. Über die Künstler, die die Statuen vor mehr als 2000 Jahren in die Steine meisselten und von denen bis heute mehr als 300 in der Region entdeckt wurden, ist bis jetzt wenig bekannt. Wir machen einen ca.2-stündigen Rundgang, der uns durch tropische Wälder und über Hügel führt. Und immer wieder kommen wir an Statuen und Gräbern vorbei. Wir staunen und grinsen über die seltsamen Kreaturen😄.

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