20 Copiapó, Antofagasta, Iquique, San Pedro de Atacama, Paso Ollagüe, Calama,
​​​​​​​Uyuni, Potosí, Sucre
26. November - 18. Dezember 2018, KM 2'414

​​​​​​​In Copiapó bekommt unser Bischu wieder einmal einen Voll-Service bei Mercedes-Benz, mit anschliessender Reinigung. In der Zwischenzeit lasse ich mich beim Coiffeur verwöhnen, herrlich, sogar mit Kopfmassage. Ansonsten bietet die Stadt nicht viel. Unser Ziel ist Iquique, im Norden von Chile. In Antofagasta machen wir noch einmal einen 2-tägigen Zwischenstopp. Wir finden einen idealen Übernachtungsplatz direkt am Meer. Während wir gemütlich beim Nachtessen sind, überfliegt uns ein Schwarm Kormorane, die ausgerechnet über unserem Auto ihr Geschäft erledigen. MIST, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Sch….dreck läuft nur so den sauber geputzten Scheiben hinunter. Am nächsten Morgen geniesst unser Bischu folglich schon wieder eine Dusche. Innert drei Tagen zweimal Duschen? Mehr als wir, und erst noch teuer! 
400 Kilometer weiter durch die Wüste sind wir in Iquique. Da es in dieser Stadt ziemlich gefährlich sein soll, bevorzugen wir den einzigen Campingplatz dieser Stadt. Etwas ausserhalb, aber wirklich top, mit täglich gereinigten Duschen, WC’s und einer kleinen Küche. Und mit dem Bus ist man schnell in der Stadt.
Iquique gehörte früher zu Peru und wurde im Salpeterkrieg (1879-83) von Chile annektiert. Die schon damals wichtige Stadt mit guter Infrastruktur entwickelte sich in der Folge zu Chiles Salpeterhauptstadt. Iquiques schönstes Einkaufszentrum ist die Mall Zofri, ein Hochglanz-Shopping-Mekka. Über 400 Läden verkaufen hier preiswerte Elektroartikel, Parfüm, Spielwaren, Sportbekleidung und…. Schweizer Uhren😉, da alles zoll- und steuerfrei verkauft werden darf.
Auf der Weiterfahrt Richtung San Pedro de Atacama besuchen wir kurz nach Iquique noch einmal eine Salpeter-Geisterstadt, Humberstone. Eigentlich dasselbe wie wir schon in Chacabuco gesehen haben, einfach besser erhalten und gepflegt.




Einige Kilometer vor Calama, begeht Peter ein schweres Verkehrsdelikt: Er überfährt an einem unbewachten Bahnübergang ein Stoppsignal. Wie schon xmal vorher und alle anderen das auch tun. Doch diesmal steht die Polizei ca. 200 Meter weiter vorne und nimmt uns heraus, nur uns, versteht sich. Wir denken uns nichts dabei, eine Polizeikontrolle wie immer. Wie immer auch die üblichen Fragen: woher kommt ihr, wohin geht die Reise, die Fahrzeugpapiere, der Führerausweis bitte, alles sehr freundlich. Doch plötzlich nimmt die Freundlichkeit ab und sie erklären uns in einem aggressiveren Ton, dass wir ein Stoppsignal nicht beachtet haben, das hätte Konsequenzen🤔. AHA. Aber da fährt doch überhaupt kein Zug mehr und niemand hält da an, versuchen wir uns verteidigen. Ohne Erfolg. Sie erklären uns, dass wir am 14. Dezember (heute ist der 3. Dez.) in San Pedro de Atacama vor dem Polizeirichteramt erscheinen müssen, dort wird die Busse bekannt gegeben und wir bekämen dann auch den Führerschein zurück. Spinnen die, denke ich. Ohne Führerschein fahren wir hier nicht weiter, das wäre ja ein neues Delikt. Ich könne ja fahren, meinen sie. Geistesgegenwärtig erkläre ich, dass ich nicht Autofahren kann, wir die Busse hier sofort bezahlen und wir ohne Papiere hier nicht wegfahren. Es beginnt ein langes Debakel, einer telefoniert mal kurz, dann schicken sie uns ins Fahrzeug, es sei zu heiss an der Sonne. Alles klar, jetzt besprechen sie die Höhe der Busse. Irgendwann werden wir wieder gerufen, ja wir können bezahlen: 100'000 Pesos, ca. 150.-Franken😲. HOPPLA, mich hauts beinahe um, haben wir richtig gehört? Ja, ja, ok, was bleibt uns anderes übrig, wir bezahlen, kriegen alle unsere Papiere zurück. Sie füllen ein neues Formular aus, wir müssen die E-Mail-Adresse angeben, falls die Busse nicht angemessen sei, kontaktieren sie uns. Peter verlangt eine Quittung oder will ein Foto machen, jetzt werden sie richtig aggressiv: wir sollen jetzt ruhig sein oder wir sehen uns vor dem Polizeirichteramt. Ok, ist ja gut. Wir können fahren und wissen ganz genau, die haben sich jetzt ein tolles Weihnachtsgeschenk gemacht.
Über den Paso Hito Cajon reisen wir in Bolivien ein, alle sehr freundlich, niemand inspiziert unser Bischu, alles kein Problem. Mit seinen knapp 1,1 Millionen Quadratkilometern ist Bolivien etwa dreimal so gross wie Deutschland. Sucre ist die Hauptstadt, doch fast alle Verwaltungs- und Regierungseinrichtungen befinden sich in La Paz. Bolivien unterteilt sich im Wesentlichen in zwei unterschiedliche Landschaftsräume: das Andenhochland und das tropische Andentiefland, dazwischen die steilen Andenabhänge.
Wir begeben uns auf die Lagunenrute und rechnen mit ca. drei Tagen, immer über 4300m ü. M. Wir befinden uns in einer Landschaft, die wie ein fremder Planet wirkt. Soweit das Auge reicht nichts als endlose Wüste, unterbrochen nur von einigen Felsen, die der ewige, eisige Wind zu bizarren Statuen geschliffen hat.
Erster Stopp und Übernachtungsplatz sind die dampfenden Thermen von Polquis. Es braucht schon einige Überwindung, in dieser Höhe, im Badeanzug nach draussen zu gehen. Doch einmal im warmen Wasser ist es Genuss pur. Mit der Dunkelheit kommt dann auch die Kälte und wir sind froh um unsere Heizung. Anderntags rumpeln wir weiter durch diese öde, staubige Landschaft, entlang der chilenischen Grenze, im Hintergrund viele schneebedeckte Vulkane, der Laguna Colorado entgegen. Plötzlich taucht in der Ferne die rötlich schimmernde Laguna auf. Das Wasser des 60 Quadratkilometer grossen Sees scheint aufgrund kupferhaltiger Mineralien und eines Planktons rot gefärbt. An den Ufern stelzen rosafarbene Flamingos auf der Suche nach Plankton durch das Wasser, daneben grasen die Vicuñas. Einmalig! Die zweite Nacht verbringen wir an der Laguna Cachi, windgeschützt durch zerfallene Häuser.
Doch leider leuchtet kurz vor der Ankunft eine Kontrolllampe auf, deutet auf ein technisches Problem hin. Das beunruhigt uns doch ziemlich und wir schlafen schlecht und sind schon früh auf den Beinen. Zum Glück springt der Motor beim zweiten Versuch an. Nach 40 Kilometer erreichen wir die Hauptstrasse und beschliessen über den Paso Ollagüe zurück nach Calama, Chile zu fahren. Dort gibt es eine grosse Mercedes-Garage, die wir direkt ansteuern. Eine junge Frau nimmt sich uns sofort an, bringt das Messgerät, bespricht das Problem mit einem Kollegen und findet: alles in Ordnung, vermutlich der Partikelfilter. Sie bringt die Kontrolllampe zum erlöschen und wir können fahren. Gottseidank nichts Gröberes😃. Zwei Tage später fahren wir denselben weg wieder zurück nach Bolivien, Richtung Uyuni.



In Uyuni besuchen wir zuerst den Zugfriedhof, ein grosses Gelände mit vielen alten, verrosteten Lokomotiven und Wagen, zum Teil stehen sie noch auf Schienen oder liegen einfach herum. Schade ist, das hier vieles versprayt ist und alles ziemlich heruntergekommen daher kommt.
Salz wohin das Auge schaut: 10 Milliarden Tonnen auf einer Fläche von 12000 Quadratkilometern, drei bis fünf, an einer Stelle sogar über 90 Meter dick und fest genug um von Gelände- und Lastwagen befahren zu werden. Das ist der Salar de Uyuni, der grösste Salzsee der Erde. Natürlich wollen auch wir auf den See, und zwar zu der bekanntesten der vielen kleinen Inseln, zur Isla Incahuasi, ein Touristenmekka. Zu sehen ist nichts als weiss, und gleissend hell blenden die winzigen Salzkristalle. Zuerst kommen wir am Erinnerungsdenkmal vom Dakkar-Rally vorbei, daneben steht das mittlerweile geschlossene und zusehend verfallende Salzhotel ”Playa Blanca”. Alles besteht aus Salz: Wände, Betten, Tische, Stühle. Wir fahren weiter und irgendwann taucht wie eine Fatamorgana ein schwebender, dunkler Fleck am Horizont auf, die Isla Incahuasi, wir haben uns also nicht verfahren, gottseidank. Es gibt keine wirklichen Strassen auf dem See, man folgt den Spuren der vielen Geländewagen. Wir haben Glück im Moment sind wir die einzigen Gäste auf der Insel. Ein gut ausgebauter Rundweg führt zwischen den Felsen hindurch. Ausser riesigen, bis zu 1200 Jahre alten Kakteen und einigen Grasbüscheln wächst hier nichts. Kaum zurück beim Fahrzeug, brausen die ersten Jeeps heran, und aus jedem springen vier bis sieben Touris. Gegen 16.00 Uhr stehen mindestens 50 solcher Geländewagen neben und hinter uns, wir sind richtig umzingelt, wie auf dem Jahrmarkt geht es zu und her. Geredet wird in jeder Sprache und Selfies werden in allen möglichen und unmöglichen Posen gemacht. Wir staunen und schmunzeln🤔. Zwei Stunden später ist der Spuk vorbei, wir geniessen die Ruhe, den Sonnenuntergang und bestaunen wieder einmal mehr den zum Greifen nahen Sternenhimmel. Wir wissen, es wird eine ausgesprochen ruhige Nacht werden.
Zurück in Uyuni muss unser Bischu zuerst eine gründliche Reinigung über sich ergehen lassen, das viele Salz muss weg und zwar gründlich. 
Auf dem Weg nach Sucre mache wir in Potosí, oder dem Tor zur Hölle, wie die Stadt auch genannt wird, einen Zwischenstopp. Potosí war über Jahrhunderte, dank den Silberminen, die reichste Stadt der Welt. Auf den steilen, engen Strassen und Gassen herrscht Chaos pur, da fährt kein Tourist freiwillig Auto. Da wird dauernd gehupt, jedesmal schauen wir uns an und fragen uns: hupen die alle wegen uns? Was machen wir falsch? Nichts, da wird einfach mal gehupt.
Ursprünglich wollten wir die Silberminen am Cerro Rico besuchen. Doch als wir von den katastrophalen Arbeitsbedingungen lesen, verzichten wir darauf. Und ausserdem leidet Peter ja an Platzangst und alleine die Vorstellung gebückt oder gar auf allen Vieren durch diesen durchlöcherten Berg zu kriechen, erzeugt Schweissausbrüche😰.
Auch sonst bietet die Stadt nicht sehr viel und so fahren wir am nächsten Tag weiter über endlose Serpentinen, durch eine grandiose Bergwelt hinab nach Sucre. Je tiefer man kommt, je grüner es wird, eine Wohltat für das Auge, nach den vielen Tagen im doch ziemlich öden Hochland. Hier stehen wir auf einem kleinen Campingplatz inmitten der Grossstadt. Wir bleiben einige Tage in Sucre um die Stadt zu besichtigen.

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Wir verbringen die Weihnachtstage in Sucre und wünschen Euch von hier aus frohe, besinnliche Weihnachten und ein gutes, gesundes neues Jahr.


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