33 Huallanca, Huánuco, Huancayo, Huancavelica, Arequipa, Arica, Oruro
28. Juli - 17. August 2019, KM 3'059

​​​​​​​An der Laguna Querococha parkieren wir und packen eine Kleinigkeit in den Rucksack. Wir wollen zum Aussichtspunkt spazieren, schneller geht nicht auf über 4000 Metern. Leider ist der Weg schlecht markiert und wir erreichen unser Ziel nicht. Ist ja auch egal, Hauptsache wir bewegen uns wieder einmal. Weil es hier so schön ist, bleiben wir über Nacht.
Bis zum Parque Huascaran ist es nicht weit. Doch hier scheint was los zu sein. Beim Eingang reihen sich Touribüssli an Touribüssli, sogar grössere Cars warten hier. Alle wollen die Puya Raimondi sehen, oder auf 5000 Meter hoch steigen, genau wie wir🤣.
Eine richtige Ananas ist die Puya Raimondi zwar nicht, aber sie gehört ebenfalls zur Familie der Bromelien. Die Pflanze ist nur noch an wenigen Stellen im peruanisch-bolivianischen  Andenhochland auf Höhen zwischen 3700 und 4300 Metern anzutreffen, unter anderem im Parque Huascaran. Sie wird bis zu 100 Jahre alt, blüht nur einmal in ihrem Leben und stirbt dann ab. Jeder will hier ein Foto schiessen von den bis zu 12 Meter hohen Riesen.
Die Schotterpiste steigt bis auf 4800 Meter an, der grosse Parkplatz ist voll. Alle wollen zum Pastoruri-Gletscher auf über 5000 Meter. Die letzten ca. 200 Höhenmeter gilt es zu Fuss, oder auf einem Pferderücken zu bewältigen. Natürlich geht der Schweizer zu Fuss, ich keuche ziemlich. Peter kommt mir vor als wäre er in Esslingen unterwegs, er überholt alle ohne gross zu "schnaufen". Oben sind wir ein wenig enttäuscht von dem Gletscher, wir haben mehr erwartet. Aber auch hier ist der Klimawandel nicht aufzuhalten und es ist nur eine Frage der Zeit bis der Gletscher verschwunden ist. Doch trotzdem freuen wir uns riesig: wir sind auf 5011 Meter, und das bei bester Gesundheit, was man nicht von allen Touristen sagen kann. Viele müssen von den anwesenden Sanitätern betreut werde.

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In Huallanca ist gerade ein Fest im Gange als wir ankommen, viele Strassen sind gesperrt. Es ist mittlerweile schon Abend und wir suchen hier einen Schlafplatz. Nach längerem Suchen stehen wir zwischen dem Viehmarkt, also zwischen Kühen, Schafen, Schweinen und der Stierkampfarena, wo gerade ein Stierkampf stattfindet. Doch erstaunlicherweise ist es schon um 21.00 Uhr ruhig.  Wir verbringen hier eine richtig gute Nacht. Bevor wir weiter fahren, schlendern wir noch durch den Viehmarkt und lernen Jaime kennen. Er arbeitet für den Tourismus und erklärt uns zuerst den regionalen Viehmarkt, offeriert uns ein typisch peruanisches Getränk und zum Schluss lädt er uns zum Stierkampf ein. Dankend lehnen wir ab, denn ein Stierkampf müssen und wollen wir definitiv nicht sehen.
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Ausser vielen schönen Landschaften und wunderschönen Lagunen gibt es die nächsten Tage nicht viel zu sehen.




Unser Ziel ist noch einmal Arequipa, wo wir ein Rendevouz mit unseren Freunden Jolanda und Kurt haben. Wir freuen uns riesig sie noch einmal zu treffen. Noch 60 Kilometer trennen uns von Arequipa, als plötzlich viele kleinere und auch grosse Steine auf der Strasse liegen. Ein Steinschlag? Doch alle par Meter wiederholt sich das und schnell wird uns klar, das ist von Menschenhand geschaffen. Aber warum? Im nächsten Dorf stehen die Lastwagen Schlange. Wir fragen nach: Demonstrationen und Strassensperrungen. Wir fahren so weit es eben geht, das heisst bis knapp vor die gesperrte Brücke. Leider ist auch für Touristen kein durchkommen und niemand weiss wie lange das andauert. Wir hören von wenigen Stunden bis einigen Tagen. Schöne Aussichten🤔. Während wir dem Treiben zuschauen, lernen wir eine deutsche Familie mit Mietauto kennen. Die haben per Zufall einen peruanischen Autostopper aufgeladen und der entpuppt sich als wahrer Helfer. Als erste passieren wir um 17.30 Uhr die Brücke, fahren Schlangenlinien um all die Steine und Baumstämme auf der Strasse. Leider ist bereits einige Kilometer später definitiv kein Durchkommen mehr. Hier stehen bereits hunderte von Lastwagen und die Demonstranten sind ziemlich agressiv. Unser Helfer organisiert die Polizei, die versucht uns als ausländische Kinderärzte durch eine Seitenstrasse hinaus zu schleusen. Doch das interessiert die einen Sch….dreck. Erst beim dritten Anlauf klappt es. Die Polizei fährt uns mit Blaulicht, einige Kilometer über Erd- und Sandpisten, bei stockdunkler Nacht, voraus. Irgendwann sind wir wieder an einer Hauptrasse, hier werden wir gegen ein kleines Entgelt entlassen🙈. Nein, hier ist keiner korrupt! Gegen Mitternacht sind wir dann endlich in Arequipa, hungrig und todmüde. Am nächsten Tag finden wir den Grund der Demonstrationen heraus: Die Regierung plant in der Umgebung von Arequipa eine neue Kupfermine. Die Bevölkerung befürchtet verheerende Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft. Insgesamt würde die Kupfermine 13'000 Hektar Ackerland bedrohen, die die Ernährung von vier Millionen Peruanern sicherstellen.
Auch unsere Freunde stehen am nächsten Tag an einer Strassenblockade, doch sie können wenden und fahren einen Umweg von 360 Kilometer, aber sie schaffen es. Andere haben weniger Glück und harren vier Tage aus, bis die Demonstranten für diese Woche aufgeben. Am Montag soll es weitergehen. Das Ganze dauert schon seit Mitte Juli an. Jede Woche wird gestreikt, auch in der Stadt. Die Polizeipräsenz ist enorm.
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Wir verbringen einige gemütliche Tage mit Jolanda und Kurt, vor allem essen wir wieder einmal so richtig gut😋. In Arequipa gibt es, für uns, das beste Restaurant in ganz Südamerika.



Der Streik wird nicht fortgesetzt, also setzen wir unsere Reise fort. Wir bleiben noch einmal zwei Tage in Chile. Bevor wir über den Paso Changará nach Bolivien einreisen, übernachten wir noch einmal kurz vor der Grenze, in Putre. Ein herziges Dörfchen auf 3500 M. ü. M. Da heute ein heiliger Feiertag ist, Maria Himmelfahrt, ist gerade eine Prozession im Gange. Drei Musikformationen spielen, alle zusammen und ziemlich laut, aber jede Gruppe eine andere Melodie. Fürchterlich🙉. Ja eben, andere Länder, andere Sitten.
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Bis nach Oruro sind wir ca. fünf Stunden unterwegs. Die chilenische Seite ist eindeutig viel schöner, mit vielen Seen und den schneebedeckten Vulkanen im Hintergrund, alle über 6000 Meter. Da müssen wir einfach kleine Fotostopps einlegen. In Bolivien hingegen "fräsen" wir durch, zu sehen gibt es ausser viiiiiel Steppengras und Hunderten von Lamas nichts. Da kann ich ruhig ein Mittagsschläfchen halten😴.


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