16 Foz do Iguazu, Coxim, Cuiabá, Porto Jofre, Cuiabá, Campo Grande, Miranda
5. - 22. Juli 2018, KM 3'086

Willkommen im Schmuggel- und Handelsparadies Ciudad del Este. In dieser zweitgrössten Stadt des Landes herrscht das totale Chaos. Im Bereich des Rio Parana, wo die Brücke der "Freundschaft" nach Brasilien führt, herrscht ein unglaubliches Treiben. Angeboten wird alles mögliche, vor allem aber Unterhaltungselektronik, deren Echtheit leider nicht immer garantiert ist. Die Strasse zur Brücke hin ist meist dreispurig und ziemlich verstopft, Geduld ist gefragt. Schon von weitem sehen wir, dass es hier schwierig werden könnte. Als wir dann endlich vor dem Zollgebäude ankommen sind wir ziemlich ratlos. Wo parkieren wir unser Bischu in diesem Gewusel von Fahrzeugen, Motorrädern, Fussgängern und Strassenhändlern? Wir sind leicht überfordert. Zum Glück kommt uns ein Polizist zu Hilfe und parkt uns einfach am Strassenrand ein. Wir schauen uns ratlos an und fragen uns ob das eine gute Idee ist. In der Hoffnung, dass der Polizist ein Auge auf unser Fahrzeug hat, machen wir uns auf die Suche nach der paraguayschen Immigrationsbehörde, denn wir brauchen ja den Ausreisestempel. Gesucht, gefunden, eins zwei drei, erledigt. Mit den Fahrzeugpapieren dauert es dann ein bisschen länger, keiner scheint zuständig zu sein. Jeder schickt uns in ein anderes Gebäude oder Büro. "Unser" guter Polizist bemerkt die Ratlosigkeit und eilt zu Hilfe. Plötzlich funktioniert alles wie am Schnürchen. Keine fünf Minuten später sitzen wir ziemlich erledigt, aber grinsend im Auto und hoffen, dass die Angelegenheit bei den Brasilianern schneller und einfacher erledigt ist. Und dem ist so. Wir werden sehr freundlich und kompetent behandelt, so dass der vorhergegangene Stress schnell vergessen ist, und wir gut gelaunt zum Hotel-und Campingplatz Paudimar fahren.



Dieser Platz ist ideal gelegen um die argentinische sowie die brasilianische Seite der Iguazu-Wasserfälle zu besuchen. Iguazu bedeutet in der Sprache der Guarani-Indianer "grosse Wasser", eine passende Bezeichnung. Die Iguazu-Wasserfälle bestehen aus 20 grösseren sowie 255 kleineren Wasserfällen auf einer Ausdehnung von 2,7 Kilometern.
Der Camping-Besitzer organisiert für uns den Ausflug nach Argentinien. Um 09.00 Uhr werden wir vom Taxi, mit Chauffeur Paul abgeholt. Rund eine Stunde später stehen wir am Parkeingang, Paul organisiert uns sogar noch die Eintrittskarten, und meint dann lachend: um 17.00 Uhr bin ich wieder hier. Was machen wir so lange im Park, fragen wir uns? Zuerst fahren mit dem Oeko-Zug an den grandiosen Wasserfällen vorbei bis zur Endstation. Von hier führen Stege bis zum 80 Meter hohen Garganta del Diabolo, der grösste und spektakulärste Wasserfall. Auch gibt es hier ein recht grosses Netz mit Wegen und Laufgängen, die oben und unten an den sich herabstürzenden Wasserfällen entlang führen. Wir erkunden jeden Weg und machen auch Bekanntschaft mit vielen, frechen Nasenbären und Kapuzineraffen. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir müssen uns beeilen damit wir uns pünktlich um 17.00 Uhr wieder mit Paul treffen. Am nächsten Tag ist die brasilianische Seite dran. Hier ist man diesen gigantischen Wasserfällen viel näher. Wir haben gelesen, dass auf der argentinischen Seite die Tribüne ist, die Vorstellung jedoch findet auf der brasilianischen Seite statt. Beide Seiten sind sehr beeindruckend.



Unser nächstes Ziel ist Poconé, Ausgangspunkt für Touren ins Pantanal. Hier füllen wir unser Lebensmittellager noch einmal auf und tanken Diesel, denn ab hier gibt es nur noch Faziendas oder Hotels. Das Pantal ist übrigens kein Sumpf sondern das grösste Überschwemmungsgebiet der Erde, und berühmt für seinen Tierreichtum. Zur Regenzeit ist das Gebiet bis zu drei Meter überschwemmt. Die beste Reisezeit ist daher von Juni bis September. Da die nächsten 150 Kilometer Schotterpisten sind, lassen wir das erste Mal Luft aus den Reifen, und es fährt sich definitiv "weicher". Kaum sind wir im Park, sehen wir schon links und rechts, wir kommen nicht nach mit schauen und staunen, viele Krokodile, das heisst hier sind es Kaimane. Im Pantanal soll es 35 Millionen davon geben. In jedem Tümpel sind sie am Sonnenbaden. Fantastisch. Einige Kilometer weiter entdecken wir dann die Wasserschweine, Capybaras, die grössten Nagetiere der Welt, die absolut keine Scheu zeigen. Ich kann sogar aussteigen um sie zu fotografieren. Auch springen zwei Sumpfhirsche über die Strasse. Natürlich gibt es hier auch unzählige Vogelarten, unter anderem den grössten Storch der Welt, den Jaribú, den wir auch schon bald sehen. Am Ende der Strasse, in Porto Jofre installieren wir uns im Jaguar Camp, während die Kapuzineraffen über unseren Köpfen herumturnen. Schon bald sehen wir die nächsten wirklich prachtvollen Vögel, die Hyazinth-Aras. Die grösste Papageienart wird bis zu einem Meter gross. Vom Baum aus begutachten sie uns und quatschen miteinander, hat man das Gefühl, ja, wir reden ja auch über sie. Am nächsten Tag ist die vierstündige Bootstour angesagt, ein Muss wenn man die Hoffnung hat, einen Jaguar zu sehen. Wir sind bereit, die Kameras sind aufgeladen und wir dick eingesprüht mit Moskitospray. Es geht los. Fünf Touris, der Guide und der Bootsführer machen sich auf zur Jaguarsuche. Nebst vielen Kaimanen sehen wir wieder einige Wasserschweine und natürlich eine Vielfalt von kleinen und grossen Vögeln. Dann das erste Highlight: am Uferrand, unter einem Geflecht von Baumwurzeln entdeckt der Bootsführer eine ganze Familie von Riesenottern. Er stellt den Motor ab und steuert das Boot möglichst nahe ans Ufer heran. Diese Tiere werden bis zu 2.20 Meter gross und gehören zu den grossen 5 des Pantanal. Sie zeigen keine Scheu, schwimmen, tauchen und spielen, klettern am Ufer herum. Einige Zeit später geht die Kreuzfahrt auf den vielen kleinen Flüssen weiter. Immer auf der Suche nach dem Jaguar. An der nächsten Abzweigung kreuzen wir ein anderes Boot, die beiden Bootsführer verständigen sich in der Zeichensprache, und schon fliegen wir beinahe übers Wasser. Um die nächste Kurve und wir werden wieder langsamer. Plötzlich streckt er den Arm aus, stellt den Motor ab und bringt das Boot geschickt möglichst nahe ans Ufer. Und da liegt er im Unterholz, ein Prachtsexemplar, ein Männchen von ca. 150 Kilogramm. Wahnsinn! Uns stockt der Atem, ich kriege "Hühnerhaut", muss aufpassen dass ich die Kamera ruhig halten kann. Doch er lässt sich durch das viele Klicken der Kameras nicht aus der Ruhe bringen, räkelt sich gemütlich und hebt mal den Kopf um uns zu begutachten, ER hat ja nichts zu befürchten. Der Bootsführer lässt uns viel Zeit zum staunen und fotografieren, nur ist das nicht ganz einfach, er liegt äusserst ungünstig, Licht und Schattenspiel machen gute Fotos beinahe unmöglich, "je nu", alles kann man nicht haben. Wir sind dankbar so etwas Einmaliges erleben zu dürfen.



Eigentlich wollen wir von Porto Jofre mit dem Boot nach Corumbá, doch keiner weiss so genau wann eines fährt und der Preis ist uns dann schlussendlich auch zu hoch. Also fahren wir dieselbe Strecke zurück und stehen das erste Mal in einem wirklichen Stau, eingeklemmt zwischen Riesenbrummis, die bis zu 30 Meter lang sind, bewegen wir uns nur zögerlich vorwärts. Es ist schon längst dunkel, als alles wieder in Bewegung kommt und unser Nachtlagerziel noch weit entfernt. Also nehmen wir beim nächsten Dorf die Ausfahrt und finden ein ruhiges Plätzchen um uns aufs Ohr zu legen. Anderntags spulen wir wieder einige Kilometer Richtung Süden ab, zu sehen gibt es nicht viel. Riesige Maisplantagen und grosse Viehherden beidseits der Strasse, zwischendurch eine Straussenfarm. Dafür finden wir in Rio Verde bei den sieben Wasserfällen einen tollen Schlafplatz. Wir bleiben zwei Tage und geniessen das Baden in diesem klaren Wasser.
Die Pantanal Ranch Meia Lua liegt kurz vor Miranda. Aus einer wurden drei Nächte. Allein schon wegen den guten Caipirinhas könnte man länger hier bleiben😉, doch auch der Pool ist nicht zu verachten. Schade ist, dass hier nur Portugiesisch gesprochen wird und das ist für uns eine Nummer zu gross, doch um Caipis zu bestellen brauchts keine grossen Worte.
Ähnlich wie die Transpantaneira im Norden ist es hier im Süden die Estrada Parque. Auch hier Schotterpiste und unzählige Holzbrücken. Was uns hier als erstes auffällt: der Wasserstand ist einiges höher als im Norden. Wir umfahren auf der Strasse liegende Äste, doch einer ist schneller als wir. Die doch ziemlich grosse Schlange verschwindet im Gebüsch bevor unser Hirn einschaltet. Immerhin, sie kommt lebend davon. Nach gut der halben Strecke durchqueren wir die ersten Wasserlachen, noch klein. Ab hier scheinen die Wasserschweine im Ausgang zu sein, die Strasse ist voll von ihnen. Ganze Familien mit ihrem Nachwuchs sitzen mitten auf der Strasse und kümmern sich herzlich wenig um uns. Erst wenn wir sie beinahe anstupsen machen sie den Weg frei. Und plötzlich taucht vor uns ein Ameisenbär auf. Hilfe, schnell die Kamera! Sie liegt griffbereit und eingeschaltet auf dem Armaturenbrett. Es reicht gerade noch für zwei Fotos durch die Windschutzscheibe, und schon ist er wieder weg. Schon von weitem sehen wir, dass das Wasser immer mehr wird, aus kleinen Tümpeln werden immer grössere Seen, Bächlein und zum Schluss fahren wir in einem Fluss ohne Ende. Unser Bischu kriegt nicht nur nasse Füsse, nein, es steht bis zum Bauch im Wasser und schiebt eine kleine Tsunamiwelle vor sich her. Zum Glück ist es nicht mehr weit bis zur Fähre. Geschafft! Doch nach einer Weile fragen wir uns, wo das Schiff wohl anlegt bei dem vielen Wasser. Zufällig kommen einheimische Fischer vorbei die uns klar machen, dass jetzt keine Fähren fahren, erst im September wieder. Na toll, typisch wir! Hätten wir uns doch vorher schlau gemacht. Jammern nützt jetzt auch nichts, wir müssen zurück und zwar ziemlich schnell. Es ist schon 16.00 Uhr und um 18.00 Uhr ist es stockdunkel und der Weg zurück beträgt doch ca. 15 Kilometer. Also nichts wie los. Wir wenden, pflügen uns durch das Wasser zurück und hoffen, dass wir nicht stecken bleiben, denn wir sichten immer wieder vor und neben uns Kaimane. Da möchten wir doch lieber nicht aussteigen. Anderthalb Stunden später sind wir wieder auf dem Trockenen und unser Bischu kriegt auf der warmen Sandpiste wieder trockene Füsse. Schnell finden wir bei einer Estanzia einen Übernachtungsplatz. Bei einem Glas Weisswein lassen wir unsere Nerven wieder zur Ruhe kommen.

"Unsere Flussfahrt"