14 San Pedro de Atacama, Purmamarca, Salta
5. - 17. Juni 2018, KM 988


Wir finden ca. zehn Kilometer ausserhalb der Stadt einen neueren Campingplatz mit Waschmaschine. Hier treffen wir auch das junge Luzerner Paar, Etta und Stefan, die mit ihrer Brunhilde, einem älteren VW Bus, unterwegs sind. Wir haben sie vor langer Zeit, kurz vor Ushuaia einmal überholt. Bei einem Glas Wein verbringen wir einen gemütlichen Abend zusammen.
Endlich kann ich wieder einmal selber waschen, zwar nur kalt, aber immerhin. Und alles trocknet an der frischen Luft. Von hier aus besuchen wir das Valle de la Luna mit seinen bizarren Felsformationen und den mit weissen Salzkrusten überzogenen Bergspitzen. Der nächste Ausflug gilt dem Salar de Atacama. Die 300 Quadratkilometer grosse Salztonebene ist die grösste Chiles und zugleich die drittgrösste der Welt. Sie ist zwar nicht schneeweiss wie andere Salzpfannen der Region, doch mit ihren tiefblauen Seen von unglaublicher Schönheit. An der seichten Laguna Chaxa faszinieren die permanente Flamingo-Population und im Hintergrund die Vulkankulisse. Natürlich darf ein Besuch des Städtchens nicht fehlen, gibt es doch hier eine Schweizer Bäckerei, zwar ohne Brot, dafür mit vielen uns bekannten Süssigkeiten. Wir gönnen uns ein Vanillecornet, es schmeckt gut, sehr süss, aber eben nicht so wie wir das kennen. Nicht weit davon entfernt ist die Französische Bäckerei mit einem kleinen Café, das Highlight. Hier trinken wir guten Kaffee, essen Croissants und Pain au Chocolat. Für kurze Zeit sind wir im siebten Himmel 😊. Das Kochen fällt auch weg, es gibt seit Monaten das erste Mal frisches, knuspriges noch lauwarmes Baguette.
Und wir treffen sie wieder, die St. Galler, Silvia, Erich und Marcel. Marcel baut gerade seine beiden Teleskope auf, für uns Riesendinger. Gespannt warten wir auf die Dunkelheit. Was bekommen wir wohl zu sehen? Nach dem gemeinsamen Nachtessen erklärt uns Marcel zuerst den Südhimmel, was auch für ihn neu ist. Das Kreuz des Südens erkennen wir schnell, auch die Milchstrasse ist gut zu sehen. Durch das Teleskop bestaunen wir dann Saturn, seine Ringe sieht man gut, und vieles mehr. Da es "saumässig" kalt ist müssen wir uns immer wieder aufwärmen, denn wir warten auf den Mond. Laut App soll er um ca. 01.00 Uhr aufgehen, leider haben wir die Zeitverschiebung nicht mitgerechnet , es wird 02.00 Uhr und so lange wollen wir nicht aufbleiben, denn wir sind am erfrieren. Fazit: wir haben viel gelernt und wahrscheinlich auch schon wieder einiges vergessen, war aber unglaublich spannend.




Heute geht es über den Paso de Jama wieder nach Argentinien, eine lange Strecke liegt vor uns, ca. 400 Kilo-meter. Trotzdem gönnen wir uns noch einmal ein Schoggibrötli mit feinem Kaffee. Wir fahren erst gegen Mittag los. Schon kurz nach San Pedro steigt die Strasse steil an, und innert kurzer Zeit sind wir auf 4835m ü. Meer, der höchste Punkt ist erreicht. Das Zollgebäude befindet sich auf 4200m ü. Meer. Der Papierkram ist schnell erledigt, bis wir am Schalter Nummer vier stehen, also beim letzten, wo es nur noch um die Autopapiere geht. Da lassen uns die Argentinier einfach mal warten. Irgendwann kommt sie dann doch noch, eine richtig unsympathische, faule, gut genährte "Schnepfe" quält sich auf den Sessel, guckt sich ewige Zeit unsere Papiere an, trommelt mit ihren langen, manikürten Fingernägeln auf dem Pult herum und kaut ziemlich unanständig Kaugummi. Ja, ganz klar sie die Chefin oder sie hat keine Ahnung. Irgendwann drehe ich mich grinsend um, da kriege ich einen Anschiss von Peter: nimm dich zusammen sonst sind wir noch ewig hier. Er hat ja recht. Endlich haben wir alle Stempel und Papiere zusammen, jetzt noch die Fahrzeugkontrolle. Wieder eine Frau! Doch sie streckt nur schnell den Kopf herein, keine Fragen, nichts. Sie öffnet die Schranke und wir nehmen die restlichen 260 Kilometer unter die Räder. Weiter geht es durch eine karge Landschaft und einsame Hochebene, immer auf 3600 bis 4000m Höhe. Wir überqueren den glänzend weissen Salzsee Salinas Grandes. Erst die letzten Kilometer schlängelt sich die Strasse in steilen Serpentinen nach Purmamarca hinunter. Es ist schon dunkel als wir ankommen, darum Übernachten wir am Dorfausgang am Strassenrand, denn wir sind einfach nur müde. Und der bekannte Cerro de los Sietes Colores (Berg der sieben Farben) sehen wir ja sowieso nicht mehr. Doch als am Morgen die Sonne den Berg hinter dem Dorf anstrahlt wird klar woher er seinen Namen hat. Wir schlendern durch das kleine Dorf und bestaunen den Marktplatz. Heute Tummelplatz der Touristen die sich hier mit Souvenirs eindecken, früher Rast-platz der Inkas. 




Bis Salta ist es nicht mehr weit. Wir entscheiden uns für den Camping Municipal Xamena. Die Bushaltestelle ist gleich vor Ort und so sind wir schnell in der Stadt und unser Bischu ist gut aufgehoben. Zuerst besuchen wir das Büro Tren a las Nubes (Zug in den Wolken). Die touristische, von Salta bis zum rund 220 Kilometer entfernten Viaducto de Polvorilla führende Version der Transandenbahn heisst heute Tren a las Nubes. Der Zug fährt nur einmal pro Woche und wir wissen nicht wann, da das immer ändert. Der nette Beamte erklärt und verkauft uns Zugtickets für den nächsten Tag. Wieder einmal haben wir Glück. Bus-Zug-Bus, steht auf den Billetten? Eigentlich wollen wir mit dem Zug hin und mit dem Bus zurück. Wir fragen nach. Bestimmt erklärt er uns, nein es ist immer Bus-Zug-Bus. Na ja, dann hat sich das anscheinend geändert. Schon um 06.30 Uhr müssen wir am Bahnhof sein, wir nehmen ein Taxi. Mit dem Bus fahren wir dann, mit verschiedenen Stopps, in das höchstgelegene Dorf Argentiniens, San Antonio de los Cobres, ein Bergwerksdorf auf 3775m ü. Meer und mit ca. 4500 Einwohnern. Erst hier steigen wir in den eigentlichen Tren a las Nubes. Im Schneckentempo bewegen wir uns immer höher hinauf bis zum Höhepunkt, der gigantischen Eisenbrücke La Polvorilla. Sie ist 63 m hoch, 224 m lang, ist gekrümmt und liegt auf 4220 m ü. Meer. Ab hier geht es zurück zum Ausgangspunkt und mit dem Bus wieder nach Salta. Einige Tage später und dank gutem Internet, lesen wir dann, dass es den Zug ab Salta schon gibt, der Beamte wollte einfach den morgigen Bus und Zug füllen, denken wir. Ein bisschen enttäuscht sind wir schon, denn das wollten wir ja von Anfang an. Wir bleiben noch zwei Tage in Salta, die wir mit Stadtbesichtigung und gutem Essen verbringen, bis wir dann in unsere "Villa" in Rosario de Lerma, etwas ausserhalb von Salta einziehen dürfen. Hier werden wir dann fünf Tage ausspannen, das heisst waschen und Internet nutzen😉.