21 Sucre, La Higuera, Samaipata, Santa Cruz, Cochabamba, La Paz
19. Dezember 2018 - 9. Januar 2019, KM 1'403

Sucre ist die eigentliche Hauptstadt Boliviens, doch bis auf den obersten Gerichtshof befinden sich alle Regierungseinrichtungen in La Paz. Mit ihren wunderschönen, weissen Kolonialbauten und den gepflegten Parks gilt Sucre als schönste Stadt Boliviens. Dem können wir nur beipflichten, obwohl wir noch nicht sehr viel andere Städte besucht haben. Vom Campingplatz aus erkunden wir die ganze Stadt zu Fuss. In den 12 Tagen, die wir hier verbringen, legen wir also einige Kilometer zurück, denn wir besichtigen so ziemlich alles was die Stadt zu bieten hat. Wir sind eigentlich nicht so die Museumgänger, doch hier besuchen wir zwei wirklich interessante Museen. Was uns auch sehr gut gefällt ist die riesige Markthalle mit den vielen verschiedenen Früchten und Gemüsen, die sich in allen Farben präsentieren, alles immer frisch und das jeden Tag, ausser Sonntag.
Jeden Sonntag strömen die Menschen aus den umliegenden Dörfern in ihren farbenprächtigen roten Ponchos, helmartigen Kopfbedeckungen und silberbeschlagenen Ledergürteln zum farbenfrohen Mark von Tarabuco. Dort kaufen sie all das ein was sie für den täglichen Bedarf brauchen und was es in ihren kleinen Dörfern nicht gibt. Der Markt ist einer der interessantesten Boliviens und damit gleichzeitig ein Ort der Touristen magisch anzieht. Dementsprechend gross ist das Angebot an Kunsthandwerk. Natürlich fahren auch wir nach Tarabuco, leider regnet es den ganzen Tag, somit sehen wir nicht wirklich viel, da alles mit Plastikplanen abgedeckt ist. Dagegen geniessen wir in einem kleinen einheimischen Restaurant ein gutes Bolivianisches Mittagessen.
Weihnachten feiern wir mit den andern Campern zusammen, ein buntes Gemisch aus Amerikanern, Franzosen, Deutschen und Schweizern. Wir stellen ein Buffet zusammen und jeder trägt etwas dazu bei. Bei einem Glas Wein oder Bier geniessen wir all die Köstlichkeiten. Am 27. Dezember verabschieden sich die meisten von Sucre und die Wege trennen sich. Wer weiss, vielleicht trifft man sich ja wieder irgendwo.




Eine spezielle Touristenatraktion ist die Tour auf den Spuren des inzwischen legendären Ernesto ”Che” Guevara. Die Tour führt zu den Stätten, an denen der Revolutionär 1966 und 1967 versuchte einen Volksaufstand zu organisieren und bis nach La Higuera, wo er in einer Schule hingerichtet wurde. Diese steht heute noch und wurde inzwischen in ein kleines Museum umgewandelt. Die Tour führt in sehr entlegene, landschaftlich aber wunderschöne Gegenden, die einem sogar die schlechten Strassen vergessen lassen. Angesichts der steilen, mit Kakteen bewachsenen Bergen kann man beinahe noch nachfühlen wie beschwerlich die Märsche durch das unwegsame Gebiet für Che und seine Guerillas gewesen sein müssen. In Vallegrande wollen wir das Mausoleum und das Museum besuchen, doch wieder einmal mehr stehen wir vor verschlossenen Türen😦. Also fahren wir noch einige Kilometer weiter, zum kleinen Touristenort Samaipata. Von hier aus buchen wir eine Tour mit einem Guide in den Amboró Nationalpark. Wir möchten gerne die Baumfarne, die sich in den Bergnebelwäldern befinden, besuchen. Nach einer knappen Stunde Autofahrt und ca. zwei Stunden Fussmarsch stehen diese unglaublichen Bäume vor uns. Hier gibt es bis zu 10 Meter hohe Bäume, wenn man bedenkt, dass sie im Jahr zwischen einem und vier Millimeter wachsen, ja, wie alt sind sie dann ungefähr? Rechne🤔!
Am nächsten Tag besuchen wir 10 Kilometer weiter die präinkaischen Felsenruinen, El Fuerte. Der Komplex ist insgesamt 40 Hektaren gross. Wahrscheinlich ist El Fuerte ein ehemaliger Kultplatz, der aber auch zusätzlich als Festung gedient haben könnte. Manche Archäologen halten die Anlage für einen Tempel des Schlangen- und Jaguarkultes, der vor rund 1500 Jahren entstand. Die Anlage wurde später von den Inkas ausgebaut. Von hier aus fahren wir nach Santa Cruz zu unserem Rendevous mit den Deutschen, York und Rita, und den Franzosen Lucien und Leïla, um Silvester zu feiern.





Von Santa Cruz sehen wir eigentlich nichts. Erstens regnet es und zweitens gibt es nicht viel zu sehen. Darum verabschieden wir uns am 1. Januar und fahren weiter nach Cochabamba. Es wird eine anstrengende Fahrt. Schlechte Strassen, viele Polizeikontrollen und häufig Regen. Vor allem die Polizeikontrollen sind stressig, weil man nie weiss, was sie wollen. Oft verlangen sie einige Bolivianos, für was genau, weiss niemand. Und…, verlange ja keine Quittung sonst kostet es mindestens das Dreifache.  Freundlichkeit ist für sie ein Fremdwort, schon wenn sie dich ansprechen ziehst du den Kopf ein. Und dann ist da noch die Geschichte mit dem Reserve-Dieselkanister. Es steht in keinem Gesetz, dass der leer sein muss, doch wir mussten ihn vor den Augen des Polizisten leeren. Zuerst wehrten wir uns, doch er sei der Chef, belehrte er uns ziemlich agressiv. OK, wenigstens ist er dann für die nächsten Kontrollen schon leer😉.
In Cochabamba ist auch nicht viel los, das einzige was wir hier besuchen ist die grosse Christusstatue, ca. 34 Meter hoch.
Nach weiteren 300 Kilometer sind wir in der Andenmetropole, La Paz, mit ca. zwei Millionen Einwohnern. La Paz ist die höchst gelegene Regierungsstadt der Welt und liegt inmitten der Königscordillere, ist also umgeben von den höchsten Bergen der Anden. Die Meisten über 6000 Meter hoch. Der höchst gelegene Punkt der Stadt liegt bei 4100 Meter, der niedrigste 1000 Meter tiefer, was gleichzeitig einen Temperaturunterschied von bis zu 10 Grad ausmacht. Mit einem privaten Guide, einem ausgewanderten Deutschen, geniessen wir eine private Führung, die den ganzen Tag dauert. Wir hören und sehen viel, besuchen indigene Märkte, den wohl bekanntesten: den Hexenmarkt, die koloniale Altstadt, kommen am modernen Regierungshochhaus und repräsentativen Geschäftsgebäuden vorbei. Die ganze Stadt ist mit Gondelbahnen verbunden, jede Strecke hat eine andere Farbe. Das gefällt uns besonders gut, sehen wir doch immer etwas, sei es zerfallene Häuser, Dreck überall, oder wir schweben über das ”Bonzenquartier”. Es herrscht eine lockere, ungezwungene und niemals hektische Stimmung, leben doch hier Indigenos, Mestizos, Criollos und auch Europäer friedlich miteinander.