23 Arequipa, Chivay, Cusco, Ollantaytambo, Cusco, Nasca
14. Februar - 5. März 2019, KM 1'652
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Es ist Regenzeit, also bevorzugen wir die asphaltierte Strasse Richtung Chivay und Colca Canyon. Wir überqueren den 4900 m hohen Patapampa-Pass. Leider regnet es und Nebel hat es auch, also sehen wir die schneebedeckten Bergriesen und die Vulkane nicht, schade. Die bis zu 3400 Meter tiefe und 100 Kilometer lange Colca- und benachbarte Cotahuasi-Schlucht gehören zu den tiefsten Canyons der Welt. Vom höchsten Punkt der Schlucht aus sieht man riesige Andenkondore, die über dem Tal kreisen. Der beste Zeitpunkt um sie zu sehen ist morgens ab 07.00 Uhr.  Wir übernachten auf dem grossen Parkplatz, Mutterseelen alleine. Nach Arequipa geniessen wir diese Ruhe, kein Hundegebell und keine hupenden Autos. Punkt 07.00 stehen wir, ohne Frühstück am Aussichtspunkt, alleine. Um ca. 08.00 Uhr kommen die ersten Touribusse und wir haben noch keinen einzigen Kondor gesehen, dafür meldet sich der Hunger. Wir beschliessen erst einmal zu frühstücken. Kaum fertig kommen sie, die Riesenvögel. Der Andenkondor ist der grösste flugfähige Vogel der Welt. Er misst stehend etwa 1.20 Meter und besitzt eine Flügelspannweite bis zu drei Metern. Trotz eines Gewichtes von bis zu 12 Kilogramm kann er stundenlang fliegen, indem er die Luftströmungen für den Gleitflug nutzt. Der Riesenvogel ist vom Aussterben bedroht und gefährdet.
Im Gegensatz zu den normalen😉 Touristen haben wir ja Zeit. Wir bleiben bis 14.00 Uhr dort und sehen noch einige Kondore, vor allem Jungvögel. Wir beobachten wie sie von tief unten im Canyon mit dem Aufwind höher und höher steigen, ohne Flügelschlag und irgendwann kreisen sie über uns. Fantastisch.

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Viele Kurven sind es bis Cusco. Wir fahren durch Täler, Hochebenen und über hohe Pässe und wunderschöne Landschaften. Das Wetter ist wie bei uns im April, mal regnets, mal hagelt es dann scheint die Sonne oder es blitzt und donnert. So viele Alpakas, Lamas und Vicunas wie hier haben wir noch nirgends sonst gesehen. Natürlich weiden auch ab und zu mal einige Kühe oder Schafe am Strassenrand. Und natürlich leuchtet auch schon wieder das Partikelfilter-Lämpli auf😏.
Cusco, das ehemalige Herz des Inkareichs, zählt heute über 350 000 Einwohner und liegt im südlichen Hochland von Peru, auf 3400m ü Meer. Das Altstadtzentrum lässt sich gut zu Fuss erkunden. Wir verbringen vier Tage in dieser Stadt. Auch hier gibt es viele feine Kaffees und Restaurants. In einem guten Restaurant wage ich den Versuch und bestelle die Peruanische Spezialität, Cuy, Meerschweinchen. Das war wohl das erste und letzte Mal. Zum Glück darf ich ein hervorragendes Dessert geniessen, so dass ich nicht mit leerem Bauch ins Bett muss😋.
Ansonsten ist Cusco für uns die nervigste Stadt die wir je besucht haben auf unserer Reise. Alle par Meter will irgendwer einem was andrehen oder verkaufen. Von Souvenirs über Massagen, Tour- und Reiseanbieter, vor jedem Restaurant steht einer und will dich reinziehen, Strassenhändler, dann auch ziemlich aufdringliche Bettler, Bilder- und Billigschmuckverkäufer, Devisenhändler, etc., einfach nur mühsam! Aber auch hier fasziniert uns wieder die riesige Markthalle, die wir jeden Tag besuchen und uns vor allem mit frischen Früchten und Gemüse eindecken. 





Immer wieder diskutieren wir darüber ob wir Machu Picchu jetzt, also in der Regenzeit, oder lieber zu einem späteren Zeitpunkt besuchen wollen. In Cusco erkundigen wir uns und erfahren, dass wir mit dem Auto nicht bis Santa Teresa fahren können, da die Strasse zum Teil weggeschwemmt wurde. Bis Ollantaytambo führt eine geteerte Strasse, von dort muss man den Zug nehmen. Ja, warum nicht? Wir fahren ja gerne Zug und mit Perurail mal etwas Neues. Also beschliessen wir diesen Ausflug in Angriff zu nehmen. Schon am frühen Nachmittag sind wir in Ollantaytambo, parkieren auf dem bewachten Parkplatz und buchen Tickets für den nächsten Tag. Doch uns verschlägt es beinahe die Sprache als sie uns den Preis nennen nur für die Zugfahrt von anderthalb Stunden. Das ist Abzocke pur😲. Doch wenn wir nun schon mal hier sind…. Dazu kommt noch die Busfahrt hinauf, plus der Eintritt und der ist mittlerweile beschränkt auf vier Stunden, insgesamt kostet uns dieser Trip knappe 5oo.- Dollar. Immerhin bekommen wir im Zug ein Getränk plus ein Stück Rüeblikueche. Doch es hat sich gelohnt, wir haben schönes Wetter und relativ wenige Besucher. Es ist schon erstaunlich was die Inkas vor 500 Jahren geschafft haben. Keiner anderen Kultur der Welt ist es gelungen, ähnliche kolossale Steinblöcke wie hier nahtlos zusammenzufügen. Wie die Inkas den Granit hierherschaffen konnten, ist bis heute ein ungelöstes Rätsel.

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Eigentlich wollen wir durch die Peruanischen Berge nach Lima fahren, doch der viele Regen und die dadurch schlechten Strassen lassen uns wieder einmal eine Planänderung vornehmen und wir verschieben die Bergroute auf später. Es geht jetzt zuerst einmal Richtung Küste, Nasca ist unser nächstes Ziel. Doch weit kommen wir nicht. Erstens: unser Bischu hat kaum mehr richtig Pfupf um einen Lastwagen zu überholen, der Partikelfilter lässt grüssen. Zweitens: wir rollen auf ein Rotlicht zu, als plötzlich mehrere Menschen am Strassenrand wie wild mit den Armen gestikulieren und auf unser rechtes Vorderrad zeigen. Wir fahren rechts ran, stoppen und steigen aus. Schon ist ein ῎Übergwändlima῎ von Toyota zur Stelle, greift hinters Rad und bringt eine total zerfledderte Gummimanschette hervor. Er schaut kurz unters Auto, schüttelt den Kopf und fragt höflich ob er uns helfen soll. Ja klar. Schon sitzt er im Auto und dirigiert uns in eine staubige Nebenstrasse. Sein Kumpel kommt auch schon angerannt. Kurze Zeit später bringt er viele kaputte Teile der Lenkstange hervor, defekte Zahnräder und Schrauben, einige Stangen vom Lenksystem, die erinnern mich sofort an ein Hüftgelenk😂. Zum Glück gibt es im Ort ein Ersatzteilhändler, der original Mercedes Teile vertreibt. Ein kurzes Telefon genügt und schon liefert der nette Herr die Ersatzteile an. Jetzt alles noch einbauen und die Rechnungen bezahlen, das wars. Dank aufmerksamen Leuten sind wir unfallfrei davon gekommen, wir sind dankbar. Jetzt müssen wir nur noch das Lämpli- oder Partikelfilter Problem lösen. Den 10 Kilometer Umweg nach Cusco nehmen wir in Kauf. Doch hier kann uns leider niemand helfen, eine grosse Mercedes-Garage existiert in Cusco nicht. Alle erklären uns dasselbe: der schlechte Diesel und die Höhe sind schuld daran, danke, das wissen wir mittlerweile auch schon.
Wir ignorieren das Lämpli und hoffen, dass wir noch bis nach Lima kommen, denn dort gibt es mehrere Mercedes-Garagen. Doch das Glück scheint uns hold zu sein, kaum 30 Kilometer ausserhalb von Cusco, leuchtet schon von weitem der grosse Mercedes-Stern am Strassenrand. Also nichts wie rein. Auch hier ist das Problem bekannt. Sie hätten schon bei einigen europäischen Fahrzeugen den Partikelfilter heraus montiert, erklären sie uns. Na super, dann nichts wie los. Wir sind überglücklich. Sogleich machen sie sich an die Arbeit, werden aber bis am Abend nicht fertig, so dass wir auf dem bewachten Gelände übernachten dürfen, mit Strom und gutem Wifi. Doch was so gut begann endet beinahe in einem Desaster. Schlussendlich sind wir vier ganze Tage dort, bis sie irgendeine Notlösung gebastelt haben, damit wir wenigstens bis nach Lima kommen😖. Im Nachhinein erfahren wir, dass sie noch nie einen Partikelfilter aus einem neueren, europäischen Sprinter heraus montiert haben.
Weit kommen wir allerdings nicht, bis neue oder andere Lampen blinken und das Auto selber Gas gibt. Was jetzt? Es ist Samstag, Mittagszeit und Fasnacht. Arbeitet da überhaupt jemand? Wir futtern zuerst eine Kleinigkeit und suchen dann im Internet eine Garage, die uns vielleicht helfen kann. Wir sind schon mal froh, dass unser Bischu überhaupt noch mal anspringt. Doch es geschehen Wunder. Drei Kurven später erlöschen alle Lämpli. Wir vergessen die Garage und fahren einfach mal weiter, in der Hoffnung möglichst weit zu kommen. 300 Kilometer weiter übernachten wir. Am nächsten morgen leuchten sie wieder, aber nur für kurze Zeit. Ohne weiteren Probleme kommen wir nach Nasca.
Bei den Linien von Nasca handelt es sich um gigantische Bodenzeichnungen, die in Form geometrischer Muster oder Abbildungen von Tieren, Pflanzen und Menschen auf einer Fläche von 450 km² in den Wüstensand geritzt wurden. Man nimmt an, dass die Zeichnungen von der Paracas-  und der Nasca-Kultur zwischen 300 v. Ch. und 500 n. Ch. angefertigt wurden. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, was für eine Bedeutung die Linien hatten. In ihrer ganzen Ausdehnung lassen sich die Figuren nur aus der Luft bewundern. Wir wagen einen 40-minütigen Flug mit einer kleinen 5-plätzigen Sportmaschine. Zum Glück waren wir vorgewarnt, wir schluckten ein ῎Chotztablettli῎. Trotzdem mussten wir immer wieder tief durchatmen🤢.