31 Mocoa, Tena, Baños, San Juan, Alausí, Cuenca
27. Juni - 11. Juli 2019, KM 1'320

Seit San Agustin regnet es ununterbrochen, ich glaube Petrus findet den Abstellknopf nicht mehr. Das heisst für uns wieder einmal Planänderung. Eigentlich wollten wir über die "Trampolinpiste" hinüber nach Pasto und von dort wieder nach Ecuador. Diese Strasse ist eine einspurige Schotterpiste. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass viele Teile verschüttet sind, oder unter Wasser stehen. Das Risiko gehen wir nicht ein. Also was jetzt? Entweder einen Umweg von ca. 500 Kilometer oder 100 Kilometer vorwärts zur Grenze. Von diesem Teilstück wurde uns allerdings schon in Ecuador abgeraten und in Kolumbien erst recht. Zu gefährlich, Überfälle etc.? Bevor wir, bei strömendem Regen losfahren, fragen wir doch noch einmal nach und machen uns im Internet schlau. Wir hören und lesen, dass das alles einmal war, vor ..zig Jahren. Also los. Wir sind überrascht wie gut hier die Strassen sind und kommen schneller voran als geplant. Der Grenzübertritt ist in einer halben Stunde erledigt. Hier sind keine venezolanischen Flüchtlinge.
Ja, wir werden Kolumbien in sehr guter Erinnerung behalten, auch wenn uns hier die Kamera geklaut wurde. Ist es doch eines der saubersten Länder Südamerikas. Auch leben hier die freundlichsten Menschen, es gibt die besten und schönsten Campingplätze. Dafür sind die Strassengebühren eindeutig am höchsten🤔,  doch die meisten Strassen sind auch sehr gut.
Jetzt geht es in Ecuador Richtung Süden, bei Regen, versteht sich. Schon kurz nach der Grenze bemerken wir entlang der Strasse grosse, dicke Röhren. Ja, in dieser Gegend dominiert seit etwa 50 Jahren die Ölindustrie. Wir kurven stundenlang durch den Regenwald, mal steil bergauf, dann wieder hinunter, immer schön der Ölpipeline folgend. Irgendwann ein Strassenschild mit dem Spruch: Geniessen sie den Nebelwald! Himmel, was denn noch? Wir geniessen doch schon den Regenwald, im wahrsten Sinne des Wortes😖.
Weil es das letzte Mal so erholsam war und wir nicht allzu weit entfernt sind machen wir noch den Abstecher zu den Termen in Papallacta. Doch diese 30 Kilometer haben es in sich, Stop and Go. Um jede Kurve mit Vorsicht und langsam, entweder ist die Strasse verschüttet durch Erdrutsch oder die halbe Strasse ist einfach weg. Viele Bäche suchen sich ihren Weg auf oder über die Strasse. Eine Brücke ist komplett weggeschwemmt. Überall wird gearbeitet, zum Teil mit dem Trax, viel aber ist harte Handarbeit. Der Regen hinterlässt hier seine Spuren.
Vom Schweizer, Peter, ihr erinnert euch, haben wir die Adresse vom Hotel La Casa del Suizo, einer Urwaldlodge im Amazonastiefland. Wir möchten hier drei Tage Hotelleben geniessen, dazu einige Aktivitäten ausüben. Doch wir wissen, bei Regenwetter sieht man keine Tiere. Darum wenden wir in Misahualli . Warum wohl?



Eigentlich wollen wir keine Wasserfälle mehr besuchen, denn in Ecuador gibt es Dutzende davon. Doch diesen einen mit dem Namen El Pailón del Diablo, die Schlucht des Teufels, soll einer der spektakulärsten weltweit sein. Und er liegt am Weg nach Baños. Es ist der perfekte Wasserfall, da man ihn aus verschiedenen Blickwinkeln sehen kann. Aus der Nähe und aus der Ferne, von oben und unten. Erst einmal bezahlt man Eintritt, dann geht es einen Kilometer und hundert Höhenmeter abwärts, bevor es wirklich los geht. Und für jedermann und -frau ist es auch nicht, irgendwann muss oder kann man durch nasse Tunnels in gebückter Haltung oder gar auf den Knien durchkriechen. Und plötzlich ist fertig, also zurück. Dann hat es noch Hängebrücken, für uns kein Problem, doch wir beobachten einige die Angst haben. Der Wasserfall an sich, hat es in sich. Aus ca. 80 Meter Höhe stürzt er in die Tiefe und Wasser gibt es im Moment ja mehr als genug. Inmitten des Gesteins befindet sich ein Fels in Form eines Totenkopfs. Wir können ihn nicht erkennen. In Baños übernachten wir auf der Finca Chamanapamba, gehört einem deutschen Paar. Ein Märchenschloss haben sie sich hier gebaut.

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Unsere Reise führt uns heute nach San Juan, in der Nähe von Riobamba. Wir umrunden  den höchsten Vulkan Ecuadors, den Chimborazo mit 6268 Meter Höhe. Ein kleiner Abstecher muss noch sein, zum Schweizer Käser in Salinas. Wir decken uns mit Tilsiter, Greyerzer und Emmentaler ein. Sollte für eine Weile reichen😋. Bei Juan auf der Finca Castillo de Altura finden wir einen tollen Übernachtungsplatz, mit einem kleinen Gemüsegarten wo die Camper sich selber bedienen dürfen. Natürlich stellen wir sofort unser Abendessen um, heute gibt es viel frisches Gemüse.
Jeden Donnerstag ist Markttag im 40 Kilometer entfernten Guamote. Von Nah und Fern kommen Händler mit ihren LKW’s an diesen Indiomarkt. Auf diesem Markt werden Waren aus dem Bergland gegen Waren aus dem Tiefland ausgetauscht. Auch gibt es einen grossen Markt für Pferde, Kühe, Esel und Kleintiere. Aber auch Kleidung, alle Arten von Nahrungsmitteln und Hausrat bekommt man hier. Nur Weisse oder "Gringos" sieht man hier selten. Wir halten uns etwa drei Stunden in diesem Gewusel auf, werden nicht immer freundlich angeschaut. Fotografieren geht schon gar nicht, nur gegen Bezahlung, oder heimlich, wenn es niemand bemerkt. Doch sie sind sehr aufmerksam.

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Zwischenstopp in Alausí. Wir wollen eine Zugfahrt zur bekannten Nariz del Diablo (Teufelsnase) machen. Punkt 08.00 Uhr gehts los. Die 6 Kilometer lange Zugstrecke schmiegt sich im Zick Zack an den Berg, der die Form einer Teufelsnase hat. Es gibt hier Spitzkehren für den Zug, dabei fährt die Lokomotive auf ein Stumpengleis, dann rückwärts und schiebt die Wagen vor sich her, ehe sie nach der zweiten Spitzkehre die Wagen wieder zieht. Alausí liegt auf gut 2300 Metern über Meer, die Endstation 1000 Meter tiefer, es sind also auf kurzer Distanz einige Höhenmeter zu bewältigen. In Sibambe, Endbahnhof, haben wir eine Stunde Aufenthalt. Natürlich fehlen auch die obligaten Tanzaufführungen und Souvenirshops nicht. Wir geniessen lieber einen Kaffee im kleinen Restaurant.


Kurz vor Cuenca bemerken wir, dass wir wieder hinten links Luft verlieren. Und das mit neuen Reifen😏. An der nächsten Tankstelle pumpen wir auf, doch einige Kilometer später, dasselbe. Wir fahren auf den Campingplatz und warten mal die Nacht ab. Am Morgen fällt uns schon im Bett auf, dass wir hinten links hängen. Dem ist auch so, wir stehen auf der Felge. Umberto, der hilfsbereite Campingchef hilft uns gleich beim Reifenwechsel und fährt gleich mit dem kaputten Reifen zu einem Pneuhändler. Kurze Zeit später hören wir, nicht der Reifen ist defekt, sondern die Felge. Zusammen klappern wir die ganze Stadt ab auf der Suche nach einer neuen Felge, leider erfolglos. Doch Umberto weiss Rat: schweissen, heisst das Zauberwort. Nur wann, weiss er noch nicht so recht. 
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In der Zwischenzeit besuchen wir die Stadt. Cuenca ist überschaubar und ziemlich sauber. Alles ist gut zu Fuss erreichbar. Nur eben, es ist eine Stadt wie viele vorher. Darum besuchen wir wieder einmal ein Museum, das Panama-Hutmuseum, das heisst, es ist eigentlich ein kleiner Betrieb mit Museum, oder umgekehrt. Das Museum ist in drei Bereiche unterteilt: die Geschichte des Strohhutes, dessen Verarbeitung , die Geschichte des Unternehmens, und alles ist in den Geschäftsräumen  untergebracht. Das ist überaus praktisch für die Besucher, man ist überall hautnah dabei. Wir sind die einzigen Neugierigen, somit können wir mit den Arbeitern sprechen, Fragen stellen und ihnen quasi in die "Töpfe schauen". Und alles ohne Absperrgitter oder Fensterscheiben. War wirklich sehr interessant. Wir erfahren, dass es 90 verschiedene Modelle gibt und alles Handarbeit ist. Zum Abschluss natürlich ein schöner Verkaufsladen, wo wir ihnen erklären, dass wir schon in Montecristi Panamahüte gekauft haben.
Zwei Tage später dann die Erfolgsnachricht: die Felge ist geschweisst und sollte als Reserverad halten, hoffentlich ist dem auch so.
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